Verordnung

Arzneimittelvereinbarung für Westfalen-Lippe

Vereinbarung 2017 - Sicher verordnen in Westfalen-Lippe

Auch für 2017 haben die KVWL und die Verbände der Krankenkassen die Vereinbarung zur Arznei- und Heilmittelverordnung fristgerecht abgeschlossen.

Verordnung von Leitsubstanzen schützt vor Richtgrößenprüfung

Schon in der Vergangenheit konnten Ärzte eine Prüfentlastung erreichen, wenn sie die vereinbarten Leitsubstanzquoten weitgehend erreicht hatten. In diesen Fällen empfiehlt die Arzneimittelvereinbarung, dass eine Richtgrößenprüfung im Regelfall entbehrlich ist. Die Vertragspartner haben diese Systematik nun deutlich erweitert.

Die Leitsubstanzquoten wurden angepasst und stärker am Mittelwert der Vergleichsgruppe orientiert. Darüber hinaus sind auch erste fachgruppenspezifische Leitsubstanzziele vereinbart worden, z. B. bei Biologika. Zudem wurden verschiedene quantitative in qualitative Ziele umgewandelt. Dies ergibt einen größeren Spielraum des Arztes z. B. bei der Verordnung von Antidiabetika. Auch die Empfehlung zur vorrangigen Verordnung von VKA wurde als qualitatives Ziel weitergeführt.

Die in 2016 eingeführte Ampelsystematik zur Leitsubstanzerreichung wurde fortgeführt. Gab es bisher nur die Kriterien „Ziel erreicht“ oder „Ziel nicht erreicht“, so gibt es zukünftig eine dreistufige Bewertung. Neben dem grünen Bereich, der eine Erreichung des Verordnungsziels anzeigt, gibt es einen gelben und roten Bereich. Als gelb gekennzeichnet werden diejenigen Praxen, die ihr Leitsubstanzziel zwar nicht erreichen, aber einen höheren Leitsubstanzanteil haben als die typische Praxis, welche den Zielwert nicht erreicht.

Auch die Praxen, die im gelben Bereich liegen, haben das jeweilige Wirtschaftlichkeitsziel erreicht. Somit kann eine deutlich größere Zahl von Praxen bereits prospektiv eine Sicherheit bei ihrer Verordnung gewinnen. Wenn ein überwiegender Anteil der relevanten Leitsubstanzquoten (grün oder gelb) erreicht wird, soll dies in der Richtgrößenprüfung als Indiz für eine wirtschaftliche Verordnung angesehen werden. In der Regel wird die Prüfung dann nicht weiter fortgesetzt und der Arzt muss nicht Stellung nehmen. Somit kann der Arzt für 2017 durch rationale Verordnung und Orientierung an den Leitsubstanzen/Handlungsempfehlungen eine deutlich erhöhte Sicherheit vor einer Richtgrößenprüfung erhalten.

In der Anlage zur AMV 2017 sind diejenigen Fachgruppen dargestellt, die relevant in Verordnungsgebieten verschreiben, für die Leitsubstanzen sinnvoll definiert werden können. Es sind die der jeweiligen Fachgruppe zugeordneten Leitsubstanzquoten dargestellt, und es ist angegeben, wie viele Quoten jeweils erreicht werden müssen, damit dies als Hinweis auf eine wirtschaftliche Verordnung im Sinne der Arzneimittelvereinbarung gilt (s. Protokollnotiz). Durch diese Systematik sichert eine evidenzbasierte, rationale Verordnung bereits im Vorfeld die Wirtschaftlichkeit. Der Fokus der zukünftigen Arzneimittelsteuerung liegt auf der Struktur, nicht auf dem Preis.

Wichtig: Das System der Prüfung und Berücksichtigung von Praxisbesonderheiten bleibt erhalten!

In 2017 bleibt die bisherige Struktur der Praxisbesonderheiten weiter bestehen. Auch wenn eine Praxis keine Prüfentlastung durch Erreichung der Leitsubstanzziele erreicht, bleibt die gewohnte Prüfbetrachtung bezogen auf eine mögliche Überschreitung des Richtgrößenvolumens mit anschließender Quantifizierung der standardisierten Besonderheiten erhalten. Die vereinbarten standardisierten Besonderheiten gelten weiter und werden vorab automatisch im Vergleich zur Fachgruppe quantifiziert, ohne dass der Arzt extra Stellung nehmen muss.

 

Wirtschaftlichkeitziele nach § 3

Zusatzinformation zu ausgewählten Wirkstoffgruppen der Anlage

Die Leitsubstanz ist als Empfehlung zu betrachten

Nr. Wirkstoffgr. Leitsubst. VO-Anteil %
Wirkstoffklassen - Liste A (quantitative Ziele)
1 Statine und ezetimibhaltige Arzneimittel Ezetimibhaltige Lipidsenker als Mittel der Reserve < 4%
< 6% (zugel. Kardiologen)
2 ACE-Hemmer und Sartane inkl. Kombinationen Kombinationen mit Calciumantagonisten als Mittel der Reserve < 3,5%
3 Neue orale Antikoagulantien (NOAK) Preisgünstige NOAK wie z.B. Apixaban, Edoxaban > 75%
4 Blutzuckerteststreifen Preisgünstige Teststreifen; Durchschnittspreis max. 0,49€ pro Teststreifen; möglichst Quartalsbedarf auf einem Rezept verordnen  
5 BtM-rezeptpflichtige Analgetika* Nicht generikafähige Originalpräparate inklusive Kombinationen (Vermeidung von z.B. Targin®, Palexia®) als Mittel der Reserve < 6%
6 Erythropoetine EPO Biosimilars gemäß Definition der Bundesrahmenvorgabe > 65%
7 Gonadotropin-Releasing-Hormon Analoga Preisgünstige Leuprorelinpräparate von Generikaherstellern > 30% (Kostenanteil)
8 Therapie der MS mit Interferonen, Glatiramer, Teriflunomid, Dimethylfumarat Interferon-Beta 1a (auch pegyliert) als Mittel der Reserve < 25%
9 Bisphosphonate und Denosumab (Osteoporose) Alendronsäure/ Risedronsäure (generisch) > 67%
10 TNF-alpha-Inhibitoren Preisgünstige oder biosimilar verfügbare TNF-alpha-Inhibitoren wie z.B. Etanercept, Infliximab, Golimumab, Certolizumab > 65% (zugel. Gastroenterologen)
> 80% (zugel. Rheumatologen)
11 Infliximab Infliximab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 75%
12 Etanercept Etanercept-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 55%
13 Somatropin Somatropin-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 30 %

* einschließlich Kombinationen von Oxycodon/ Naloxon und Tapentadol ausgenommen Levomethadon sowie alle Ampullen


 

Wirkstoffklassen - Liste B (qualitative Ziele)
14 Medikamente im Alter Absenkung des Anteils älterer Patienten, die dauerhaft mindestens 6 Wirkstoffe und davon mindestens 1 inadäquates Arzneimittel (z.B. Priscus) erhalten.
15 Antibiotika/ Fluorochinolone Absenkung der Verordnungsmenge (DDD) je 1000 Versicherte unter anderem zur MRSA-Vorbeugung: - zurückhaltende Verordnung von Antibiotika - Reduzierung der Reserveantibiotika (z.B.Gyrasehemmer)
16 Biosimilars Vorrangige Verordnung von preisgünstigen Biosimilars (z.B. Somatropin, EPO, Filgrastim, TNF-alpha-Inhibitoren)
17 Aut-idem-Austausch grundsätzlich zulassen Aut-idem Ausschluss nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen
18 Wirkstoffe, die die frühe Nutzenbewertung durchlaufen haben Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung beachten
19 Protonenpumpeninhibitoren (PPI) PPI nur indikationsgerecht und gemäß AM-RL einsetzen
20 Hormonelle Kontrazeptiva Vorrangige Verordnung von risikoärmeren Kontrazeptiva
21 Verbandmittel Die Preisinformation zu Verbandmitteln beachten
22 Antidiabetika außer Insulin Evidenzbasierter Einsatz generisch verfügbarer Wirkstoffe und Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung beachten
23 Orale Antikoagulantien (OAK) Gut auf Vitamin-K-Antagonisten (VKA) eingestellte und einstellbare Patienten vorrangig mit VKA wie z.B. Phenprocoumon behandeln
24 TTS-Opioide Transdermale therapeutische Systeme (TTS) in der Gruppe der BtM-rezeptpflichtigen Analgetika als Mittel der Reserve

 

Zusatzinformationen zu den bisherigen Vereinbarungen

2016 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (819 KB)

2015 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (582 KB)

2014 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (239 KB)

2013 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (4140 KB)

2012 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (202 KB)

2011 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (533 KB)

2010 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (252 KB)

2009 - Anlage zur Vereinbarung (62 KB)

2008 - Broschüre zur Vereinbarung (962 KB)

2007 - Broschüre zur Vereinbarung (77 KB)

2006 - Broschüre zur Vereinbarung (139 KB)

 

Arzneimittelvereinbarung

Die aktuelle Arzneimittelvereinbarung der KVWL plus Anlagen finden Sie unter Rechtsquellen und Verträge der KVWL

Ansprechpartner

Arzneimittel / Sprechstundenbedarf

0231 94 32 39 41

Heilmittel / Hilfsmittel

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