Ambulante Kuren

Hinweise zu ambulanten Vorsorgeleistungen in Kurorten und Heilbädern

Einführung

Gemeinsame Information der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des Deutschen Bäderverbandes e.V.

Diese Informationen dienen

  • zur Verdeutlichung von Inhalten und Zielen der ambulanten Versorgung und
  • zur Beseitigung von Schwierigkeiten und Unklarheiten bei der Anwendung der Kurarztverträge

Durch die Kurarztverträge von 1995 wurde die kurmedizinische Versorgung wesentlich verbessert. Die ambulante Behandlung nach den Kurarztverträgen ist ein zeitlich begrenzter Bestandteil eines Gesamttherapiekonzeptes und damit eine sinnvolle Ergänzung der kurativen Behandlung am Wohnort.

Mit dem Gesundheitsreformgesetz 2000 wurden die ambulanten Kuren vom Gesetzgeber begrifflich in medizinische Vorsorgeleistungen überführt.

Bei den ambulanten Vorsorgeleistungen rücken verhaltenspräventiv orientierte Maßnahmen in den Vordergrund, teilweise sind sie sogar integrativer Bestandteil. Den Patienten stehen damit im Rahmen der ambulanten Vorsorgeleistung Maßnahmen der Prävention, Hilfen zur Bewältigung von Krankheiten und Behinderungen sowie Selbsthilfeaktivitäten zur Verfügung.

 

Welche ambulanten Vorsorgeleistungen gibt es?

Ambulante Vorsorgeleistungen sind Bestandteil des gestuften Systems der Prävention und Rehabilitation. Sie werden ausschließlich in anerkannten Kurorten und Heilbädern erbracht.

Die "Ambulante Vorsorgeleistung zur Krankheitsverhütung" kann angezeigt sein bei Vorliegen nachgewiesener Risikofaktoren, wenn diese durch die Maßnahme beseitigt oder beeinflusst oder dem Patienten die Bewältigung dieser Faktoren erleichtert werden kann. Als Beispiele können Übergewicht, Bluthochdruck, Neigung zu somatischen Erkrankungen und rezidivierende Schmerzzustände des Stütz- und Bewegungsapparates genannt werden.

Die "Ambulante Vorsorgeleistung bei bestehenden Krankheiten" kann angezeigt sein, wenn eine Erkrankung bereits eingetreten ist, deren Folgen (Fähigkeitsstörungen, Beeinträchtigungen) durch die Maßnahme beseitigt oder gemindert werden können. Als Beispiele sollen chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates, des Herz-Kreislaufsystems oder des Stoffwechsels genannt werden.

Eine besondere Form stellt die "Ambulante Vorsorgeleistung in Kompaktform", dar (nachfolgend Kompaktkur genannt). Sie kommt in Betracht, wenn gegenüber den oben genannten ambulanten Vorsorgeleistungen eine engere krankheitsgruppenspezifische Ausrichtung und eine größere Therapiedichte zur Erreichung des Behandlungszieles erforderlich sind.

Weitere wesentliche Merkmale der Kompaktkur sind:

  • Behandlung in stabilen Gruppen von max. 15 Teilnehmern von Patienten mit gleicher oder ähnlicher Risikokonstellation oder Erkrankung unter Gruppenleitung
  • strukturierte multidisziplinäre Therapiekonzepte
  • interdisziplinäre Qualitätszirkel

Wichtig

Kompaktkuren werden für einzelne Kurorte indikationsspezifisch genehmigt. Weitere Auskünfte über genehmigte Kompaktkuren und Indikationen erteilt:

 

Kurärztliche Verwaltungsstelle

Robert-Schimrigk-Str. 4-6
44141 Dortmund

0231 94 11 79 0
0231 94 11 79 20

E-Mail

 

Deutscher Heildbäderverband

Reinhardtstr. 46
10117 Berlin

030 24 63 69 20
Internet: www.deutscher-heilbaederverband.de

E-Mail

 

Zusätzliche Informationen rund um das Thema "Ambulante Vorsorgeleistungen" erhalten Sie auch über die Interessengemeinschaft Kompaktkuren e.V.

Für Kinder kommt eine ambulante Vorsorgeleistung in Betracht, wenn die Kräftigung der Konstitution und die Steigerung der Abwehrkräfte mit der Maßnahme erreicht werden sollen. Beispiele sind Infektanfälligkeit und Gefährdung der gesundheitlichen Entwicklung des Kindes insgesamt.

 

Wie wird die ambulante Vorsorgeleistung in anerkannten Kurorten beantragt?

Der Versicherte erhält von seiner Krankenkasse einen entsprechenden Vordruck, der zum Teil von ihm, zum Teil von seinem behandelnden Arzt ausgefüllt werden muss. Der Inhalt des ärztlichen Teils (Anregung einer ambulanten Vorsorgeleistung in anerkannten Kurorten gemäß § 23 Abs. 2 SGB V) ist vertraglich festgelegt. Weitere Ausführungen finden sich in den Erläuterungen zur Vordruckvereinbarung (Muster 25).

Die Anregung wird der Krankenkasse zur Entscheidung vorgelegt. Sie ist gleichzeitig Grundlage für die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

Die Krankenkasse kann nur von Patient und Arzt vollständig ausgefüllte Anregungen bearbeiten.

Für die Erreichbarkeit der medizinischen Ziele ist besonders die Art der ambulanten Vorsorgeleistung entscheidend.

Der Arzt soll in Abhängigkeit von der Indikation und den angestrebten Behandlungszielen einen geeigneten Kurort vorschlagen. Kann der Arzt keinen Vorschlag zu einem bestimmten Kurort machen, so sind die Anforderungen an den Kurort in der Anregung anzugeben. Auf dieser Grundlage kann der Medizinische Dienst einen Kurort bestimmen.

Der Arzt hat in seiner Anregung insbesondere die Art der Maßnahme und deren Dauer anzugeben. Ambulante Vorsorgeleistungen von weniger als 21 Tagen genügen nicht den Zielen der Kurarztverträge.

Wie wird die ambulante Vorsorgeleistung bewilligt?

Auf der Grundlage der Anregung einer ambulanten Vorsorgeleistung in anerkannten Kurorten und des Gutachtens des Medizinischen Dienstes trifft die Krankenkasse die Entscheidung. Hierbei kann sie auch von der vorgeschlagenen Kurform abweichen. Lehnt die Krankenkasse die Anregung ab, informiert sie darüber den behandelnden Arzt unter Angabe der Gründe, damit das Therapieziel ggf. auf andere Weise erreicht werden kann. Der Versicherte kann über einen Widerspruch gegen die Ablehnung der Krankenkasse vorgehen. Bewilligt die Krankenkasse die Maßnahme, stellt sie einen Kurarztschein aus.

Welche Bedeutung hat der Kurarztschein?

Der Kurarztschein ist Grundlage der ambulanten Behandlung durch den Kurarzt in anerkannten Kurorten bzw. Heilbädern. Er wird von der Krankenkasse (linke Hälfte) ausgefüllt. Die Krankenkasse soll darauf einwirken, dass der Versicherte unmittelbar vor Kurantritt die rechte Hälfte des Kurarztscheines vom behandelnden Arzt vollständig ausfüllen lässt. Nur so kann der behandelnde Kurarzt in ausreichendem Umfang mit den notwendigen medizinischen Informationen versorgt werden.

Der ausgestellte Kurarztschein berechtigt zur Inanspruchnahme der darauf angegebenen ambulanten Vorsorgeleistung. Eine selbstständige Änderung der Kurform durch den Kurarzt ist ausgeschlossen. In begründeten Fällen kann die Art der Maßnahme entsprechend den medizinischen Erfordernissen - jedoch nur nach vorheriger Rücksprache mit der Krankenkasse - geändert werden. Diese Vorgehensweise ist zu dokumentieren, am besten mit einer Bestätigung durch die Krankenkasse (Fax).

Der Kurarztschein berechtigt ausschließlich zur Abrechnung der kurärztlichen Behandlung im Sinne des Kurarztvertrages. Zu anderen Zwecken, z.B. zur alleinigen Heilmittelverordnung (außerhalb der Kur), kann der Kurarztschein nicht verwendet werden.
In diesen Fällen hat der behandelnde Arzt im Rahmen seiner kurativen Tätigkeit die Heilmittelrichtlinien zu beachten.

Wer erhält den Bericht des Kurarztes?

Unverzüglich nach Abschluss der ambulanten Vorsorgeleistung berichtet der Kurarzt dem weiterbehandelnden Arzt über die durchgeführten diagnostischen, therapeutischen und verhaltenspräventiven Maßnahmen einschließlich erhobener Befunde. Im Bericht sind insbesondere auch Hinweise über erforderliche Nachsorgemaßnahmen am Wohnort zur Festigung der Kureffekte zu machen. Gleichzeitig erhält die Krankenkasse den Bericht des Kurarztes mit den Angaben zum Verlauf der Maßnahme, zum Erfolg und zur Nachsorge. Der Kurarzt soll den Patienten in einem Abschlussgespräch über den Inhalt des Berichtes umfassend informieren.

Informationen und Anträge für Kurkliniken

Die Rubrik "Infos und Anträge für Kurkliniken" bietet Ihnen eine Auswahl von Unterlagen, die bereits im Vorfeld Ihrer Planungsarbeiten vor einem Antrag auf Anerkennung zur Durchführung von Ambulanten Vorsorgeleistungen in Kompaktform eine Hilfestellung sein können.

Sicherlich ist es sinnvoll bereits im Vorfeld Ihrer Planungsarbeiten mit uns telefonischen Kontakt aufzunehmen. Hierbei bietet sich die Gelegenheit erste Fragen zu klären und ergänzende Hinweise zu erhalten.

Wenn Sie die Planungsphase verlassen haben und einen Antrag auf Anerkennung zur Durchführung von ambulanten Vorsorgeleistungen in Kompaktform stellen möchten, ist mit Antragsstellung eine Bearbeitungsgebühr zu entrichten. Auch hierzu können Sie telefonisch weitere Einzelheiten bei der unten angegebenen Ansprechpartnerin erfragen.

Ansprechpartner

Kurärztliche Verwaltungsstelle

0231 94 11 79 0
0231 94 11 79 20

E-Mail

 

Anträge und Informationen zur Antragsstellung

PDF KB
Antrag auf Anerkennung zur Durchführung einer ambulanten Vorsorgeleistung in Kompaktform zur Krankheitsverhütung 49
Antrag auf Anerkennung zur Durchführung einer ambulanten Vorsorgeleistung in Kompaktform im Krankheitsfall 50
Anforderungskriterien an die Gruppenleitung bei Kompaktkuren 21
Grundsätze und Beispiele: Leistungsbeschreibungen für Patienten-Gesprächs-Seminare 31
Beispiele für Leistungsbeschreibungen individueller gesundheitsfördernder Angebote der Heilbäder und Kurorte 15
Musterwochenplan - Ambulante Vorsorgeleistung 15
Auszug eines z.Z. gültigen Genehmigungsbeschlusses 10

Weitere Informationen

Die Begutachtungsrichtlinien "Vorsorge und Rehabilitation" finden Sie auf den Seiten des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen e.V. unter
www.mds-ev.de - Downloads

Die Kurarztverträge finden Sie auf den Seiten der KBV unter
http://www.kbv.de/rechtsquellen/2600.html

 

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