Steigende Arzneimittel-Kosten

Ärzte wehren sich gegen den pauschalen Vorwurf der Kostentreiberei

Dortmund, 23.9.2002

Die Vertragsärztinnen und -ärzte in Westfalen-Lippe wehren sich gegen den pauschalen Vorwurf, "die Ärzte" trügen die Verantwortung für die auch in diesem Jahr steigenden Arzneimittelausgaben. Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, das Parlament der rund 12.000 niedergelassenen Vertragsärzte und -psychotherapeuten im Landesteil, machte am Wochenende in einer Resolution deutlich, daß derlei Behauptungen durch nichts zu belegen seien.

Die Resolution im Wortlaut:

"Mit Entrüstung nehmen die westfälisch-lippischen Ärzte die wiederholten Vorwürfe von verschiedenen Seiten zur Kenntnis, die Ärzte seien verantwortlich für die auch in 2002 weiter steigenden Arzneimittelausgaben und sie unterliefen oder behinderten die gesetzlichen Zielvorgaben.

Wenn, wie zuletzt von BKK-Chef Wolfgang Schmeinck behauptet wird, die Ärzte trügen die Verantwortung für die weit über Plan steigenden Arzneimittelausgaben, dann ist das eine durch nichts zu belegende Behauptung.

Gegenstand der gesetzlich vorgeschriebenen Vereinbarungen für die Arzneimittelverordnungen für 2002 sind eine Absenkung des Anteils neuer Arzneimittel mit nur geringem Behandlungsvorteil gegenüber Alten, eine Erhöhung der Nachahmerpräparate-Rate und der billigen Rückimporte aus dem Ausland sowie eine Absenkung des Anteils der sogenannten umstrittenen Arzneimittel. Zur Steuerung dieser Vereinbarungen sind mit Vertretern der Krankenkassen und der Ärzte zu besetzende Lenkungsausschüsse eingesetzt. Bisher hat keiner dieser Lenkungsausschüsse Analyseergebnisse vorgelegt, mit denen man etwas anfangen kann. Deshalb gibt es keinerlei verwertbare Erkenntnisse über die Ursachen des beobachteten Anstiegs der Arzneimittelverordnungskosten. Das ist auch Herrn Schmeinck als Vertreter der Betriebskrankenkassen bekannt.

Wer wider besseres Wissen behauptet, die Ärzte trügen die Verantwortung für die "weit über Plan steigenden Arzneimittelausgaben", sagt die Unwahrheit.

Die Vertreterversammlung fordert die Politik, insbesondere die Aufsichtsministerien und ganz besonders die Bundesgesundheitsministerin auf, sich schützend vor die Ärzte - und hier ganz besonders vor die Vertragsärzte als Garanten der Versorgung der Versicherten mit Arzneimitteln - zu stellen und Lügen zeitnah und öffentlich auch als Lügen zu brandmarken."

 

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