Die KV Westfalen-Lippe wird mit eigener Honorarverteilung die Verwerfungen durch die neue Honorarordnung abfedern

KVWL begrüßt Entscheidung für mehr regionalen Gestaltungsspielraum

Dortmund, 16. Januar 2009

Die Finanzkrise - Wort des Jahres 2008 - hat sich längst zur ausgemachten Wirtschaftskrise entwickelt, von der auch das Gesundheitswesen in 2009 wohl nicht verschont bleibt. Erste Änderungen sind bereits spürbar: Seit dem 1. Januar ist der Gesundheitsfonds mit seinem einheitlichen Kassenbeitragssatz von 15,5 Prozent für alle gesetzlich Krankenversicherten und mit ihm eine der weit reichendsten Reformen im deutschen Gesundheitswesen in Kraft getreten. Als Kompromiss der schwarz-roten Regierungskoalition gilt er als das wohl umstrittenste Projekt der aktuellen Gesundheitspolitik. Er soll dafür Sorge tragen, dass das Geld der Versicherten gerechter zwischen den Krankenkassen verteilt wird. Aber: Wegen der schwer zu kalkulierenden künftig anfallenden Kosten schnallen die Kassen ihren Gürtel enger. Insbesondere beim Angebot freiwilliger Leistungen. Zu befürchten ist, dass kassenseitig letztlich ein „brutaler“ Preiswettbewerb stattfinden wird anstatt eines Wettbewerbs hinsichtlich der Qualität der Leistung.

Stellen Sparwut und Sozialabbau eine typisch deutsche Krankheit dar? Auf die Auswirkungen übertriebenen Sparens in der medizinischen Versorgung ging Dr. Ulrich Thamer, 1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, auf dem Neujahrsempfang der Ärztevereinigung im Harenberg-City-Center ein. Gerade die Gesundheitsreform setzt nach Auffassung des Vorsitzenden der rund 13.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten im Landesteil viele der bisher bewährten Regeln außer Kraft: „Der Wettbewerb soll das System billiger machen, ist aber in meinen Augen fraglich. Nicht nur, dass ein erhöhter Beitragssatz von 15,5 Prozent vielen Patienten weh tun wird. Krankenkassen sollen außerdem, so will es der Gesetzgeber, ihre Verträge nicht mehr einheitlich schließen, sondern auf konkurrierende Verträge mit einzelnen Arztgruppen setzen.“ Die Folge werde laut Thamer sein, dass jeder Patient sich vor einem Arztbesuch bei seiner Kasse erkundigen müsse, zu welchen Ärzten er denn gehen darf und mit wem überhaupt Verträge bestehen. „Ansätze zu einem solchen Flickenteppich in der medizinischen Versorgung haben wir heute schon in Bayern und Baden-Württemberg. In Westfalen-Lippe konnten Krankenkassen und Ärzteschaft das Verwirrspiel bislang für die Versicherten vermeiden. Aber der Druck aus Berlin wird deutlich stärker.“

Was beschäftigt uns in Westfalen-Lippe außerdem? Eine bundesweite Änderung der Honorarordnung sieht vor, dass Ärzte zunächst einmal eine Pauschale für die Behandlung eines Patienten pro Quartal bekommt. Diese Pauschale fällt für viele Fachgruppen mickrig aus: So erhält ein westfälischer Hausarzt 32,42 Euro pro Fall, egal wie oft der Patient im Quartal zu ihm kommen muss. Seine Kollegen in anderen Bundesländern erhalten dagegen ein bis zu 30 Prozent höheres Honorar. Ein Hausbesuch schlägt mit 15,40 Euro zu Buche. Dafür würde sich ein Handwerker nicht ins Auto setzen. Viele Facharztgruppen schneiden ebenfalls schlecht ab. Der Vorstand der KVWL setzt sich derzeit intensiv für eigenständige Steuerungsmöglichkeiten der Honorare ein und braucht hierzu einen Beschluss des Bewertungsausschusses. Erst ab 2010 ist eine bundesweite Vereinheitlichung der Vergütung zu erwarten. Thamer: „Letztendlich muss der Patient die Suppe auslöffeln. Ökonomisch sinnvoll wäre unter diesen Bedingungen eigentlich, wenn sich Kollegen auf die notwendigen Kontakte mit ihren Patienten beschränken. Ist diese Reform reformbedürftig? Viele sehen die Pläne der Bundesregierung mit großer Skepsis. Und auch ich glaube nicht, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Ich fürchte vielmehr, wir werden schon bald unsere gewohntes Gesundheitswesen nicht mehr wieder erkennen.“

 

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