Honorarstreit – Protestaktion der Kassenärzte in Westfalen-Lippe gegen die Krankenkassen
Kassenanfragen bleiben liegen
Dortmund, 10. September 2012
Anlässlich der jüngsten Auseinandersetzungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen über die Frage der ärztlichen Leistungsvergütung für das Jahr 2013 haben die Vorstände der KBV sowie der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Deutschlands am 6. September in Berlin über das weitere Vorgehen beraten und einstimmig ein Paket von Protestmaßnahmen der niedergelassenen Kassenärzte beschlossen.
Ab Montag, den 10. September 2012, starten damit auch in Westfalen-Lippe die ersten Aktionen in den Praxen der Vertragsärzte und -psychotherapeuten. Die Maßnahmen richten sich dabei explizit gegen die Krankenkassen und gehen nicht zu Lasten der Patienten. Im Gegenteil: Die Ärzte werden durch weniger Kassenbürokratie mehr Zeit für die Patienten haben. Denn tagtäglich überschütten die Krankenkassen die Arztpraxen mit formlosen Anfragen wie „Wurde die Reha-Maßnahme auch durchgeführt?“ oder „Ist der Versicherte noch krank geschrieben?“.
Um die Zeit für die Erledigung dieser Bürokratieverursacher lieber den Patienten zu widmen, sind in der Woche vom 10. bis 14. September 2012 folgende Aktionen geplant:
- Keine schriftliche Beantwortung formloser Kassenanfragen,
- Gespräche mit Kassenmitarbeitern nur vor 8 Uhr morgens und nach 20 Uhr abends, damit die Mitarbeiter der Kassen einen Eindruck davon bekommen, wie lange Ärzte in der Regel arbeiten,
- Kein Abstempeln mehr von Bonusheften.
Sollte der GKV-Spitzenverband auch in den kommenden Wochen weiterhin bei seiner blockierenden Haltung bleiben, sind weitere Protestmaßnahmen der Kassenärzte möglich.
„Ich habe großes Verständnis für den derzeitigen Unmut der Kolleginnen und Kollegen in den Praxen. Und ich begrüße es, wenn die Kassenärzte in Westfalen-Lippe ein deutliches Zeichen des Protestes setzen. Wichtig ist jedoch zu betonen, dass sich der Protest ausschließlich gegen die Kassenseite richtet. Die Patientenversorgung soll und wird zu keiner Zeit leiden oder zurückgefahren“, sagt Dr. Wolfgang-Axel Dryden, 1. Vorsitzender der KVWL.
Am 15. September 2012 sollen die Verhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband in die nächste Runde gehen. Derzeit ist es allerdings noch völlig offen, ob die gesetzlichen Krankenkassen zu einem Kompromiss bereit sein werden. Deshalb führt die KBV gemeinsam mit den 17 Regional-KVen im Laufe der Woche weitere enge Abstimmungen über mögliche zukünftige Protestmaßnahmen durch. Nach Meinung Drydens ist es jetzt Zeit für ein deutlich wahrnehmbares Signal an die Krankenkassen.
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Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe
Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, abgekürzt KVWL, vertritt die Interessen von rund 13.000 niedergelassenen Vertragsärzten und -psychotherapeuten im Landesteil Westfalen-Lippe. Für ihre Mitglieder schließt die KVWL Verträge mit den gesetzlichen Krankenkassen, rechnet die Leistungen ab und verteilt das Honorar an die Ärzte und Psychotherapeuten. Für die Bürgerinnen und Bürger gewährleistet die KVWL eine am Bedarf orientierte, wohnortnahe ambulante medizinische Versorgung von hoher Qualität.
