Gemeinsame Pressemitteilung der BARMER GEK NRW und
der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe

Pilotprojekt zur Entbürokratisierung zwischen
BARMER GEK NRW und KV Westfalen-Lippe

Das Rezept gegen unnötigen Papierkram

Dortmund, den 31. Oktober 2012

Nach dem Motto "Aus der Praxis für die Praxis" wollen die BARMER GEK NRW und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) den bürokratischen Aufwand in Arztpraxen und Krankenkassen auf das Maß des Notwendigen reduzieren. Hierzu treffen sich seit Mitte des Jahres 2011 regelmäßig drei interdisziplinäre Arbeitsgruppen in Borken, Münster und Dortmund. In den jeweiligen Sitzungen werden die formfreien Arztanfragen der BARMER GEK wie auch die auf Bundesebene vereinbarten Mustervordrucke gesichtet, diskutiert und auf eine bessere Praxistauglichkeit hin verändert. Die erarbeiteten Lösungsvorschläge werden anschließend in die zuständigen Fachgremien auf Bundesebene (Formularkommission) gegeben.

"Entbürokratisierung ist komplex und sehr schwer zu fassen, da viele Themen und Zuständigkeiten betroffen sind", sagt Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KVWL. "Deshalb ist auch die Zusammensetzung unserer Arbeitsgruppe besonders gestaltet. Es sitzen diejenigen gemeinsam an einem Tisch, durch deren Hände die Formulare im Alltag gehen. So können die Belange der Ärzte und der Krankenkassen sowie die des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) im Miteinander diskutiert und abgestimmt werden", so Kriedel weiter.

Zu jeder Arbeitsgruppe treffen sich in den genannten Regionen jeweils drei bis fünf niedergelassene Haus- und Fachärzte, Ärzte des örtlichen MDK sowie Mitarbeiter der KVWL und der BARMER GEK NRW. "Als Krankenkassen können wir nicht alleine entbürokratisieren, dies ist nur gemeinsam mit den Ärzten und auch dem MDK möglich", sagt Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der BARMER GEK NRW. Die Sicht- und Arbeitsweisen der anderen Seite kennenzulernen und Verständnis füreinander zu entwickeln, sei aber bereits ein erster, wichtiger Entbürokratisierungsschritt, so Beckmann. "Wir prüfen vor allem auch unsere eigenen formfreien Anfragen, um diese zukünftig so zu gestalten, dass der Zeitaufwand für die Ärzte geringer wird. Wir hoffen, die Erkenntnisse aus Westfalen-Lippe in Zukunft auch auf andere Landesbereiche übertragen zu können."

Die von der niedergelassenen Ärzteschaft oft kritisierten formfreien Arztanfragen entwickeln die einzelnen Krankenkassen selbst. Die Mustervordrucke werden auf Bundesebene zwischen den Spitzenverbänden der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erarbeitet. Ein erstes Arbeitsergebnis des Pilotprojektes sind verschlankte Muster 60 / 61 zur Beantragung von Reha-Maßnahmen. So hat der viel kritisierte Vordruck zur Einleitung einer Reha-Maßnahme (Muster 60) sich von einem DIN-A4-Blatt auf Rezeptformat verkleinert, das vierseitige Muster 61 (Reha-Antrag) hat jetzt nur noch zwei Seiten.

"In den Diskussionen stoßen wir häufig auf redundante und unplausible Fragen, die teilweise noch im Geiste alter gesetzlicher Regelungen formuliert und den aktuellen Arbeitsprozessen bei Ärzten und Krankenkassen nicht angepasst sind. Auch sind Sprache und Layout oftmals verwirrend", so Sonja Laag, die das Projekt von Seiten der BARMER GEK leitet. "Alles, was den Papierkram reduzieren kann, kommt unserer Zeit für den Patienten zugute. Viele Dinge werden seit Jahren einfach so gemacht, ohne sie bisweilen sinnvoll zu hinterfragen. Genau an dieser Stelle setzt die Projektgruppe an und fragt danach, welche Formulare zeitgemäß überarbeitet werden können", so Dirk Wilmers, ein am Entbürokratisierungsprojekt teilnehmender Hausarzt aus Borken.

Sobald die gegenwärtigen Mustervordrucke vom Projekt überarbeitet sind, möchten die Initiatoren die Arbeitsgruppen als "Praxiswerkstatt" auch für zukünftige Vordrucke etablieren und ausbauen. "Für Gesetze sind schon heute vorab statistische Bürokratiekostenmessungen vorgesehen. Wir möchten aber ein Formular erst praktisch prüfen, bevor es bundesweit in Arztpraxen und Krankenkassen eingesetzt wird", erläutert KVWL –Vorstandsmitglied Kriedel. Die Teilnehmer des Pilotprojektes können sich darüber hinaus vorstellen, die formfreien Arztanfragen ebenfalls als bundesweit konsentierte Mustervordrucke zu entwickeln. Damit soll ein Standard für die "Klassikanfragen" erarbeitet werden, um zukünftig die sehr hohe Zahl individueller Kassenanfragen zu reduzieren. "Schlankere Formulare bei gleicher Informationsqualität kommen nicht nur uns Ärzten zu Gute, sondern sind auch verständlicher und unbelastender für den Patienten, sagt Dr. Christof Mittmann, Facharzt für Orthopädie aus Münster und ebenfalls Projektteilnehmer.

Neben "entstaubten" Formularmustern gibt es zudem noch ein weiteres erfreuliches Ergebnis des Pilotprojektes: Ärzte und Krankenkassen nutzen ihre Ressourcen, um Versorgungsprobleme vor Ort konstruktiv zu besprechen, anstatt sich jahrzehntelang über die Zulässigkeit von Fragen auf Formularen zu streiten. Das Pilotprojekt wurde den anderen Krankenkassen in Westfalen-Lippe bereits vorgestellt. "Wir hoffen, dass unsere Vorschläge auch bei anderen Kassen und auch auf Bundesebene Gehör finden", so Kriedel abschließend.

Pressekontakte:

BARMER GEK NRW: Dr. Ursula Bertels (0800) 33 20 60 67 33 08
KVWL: Christopher Schneider (0231) 94 32 32 66

 

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Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, abgekürzt KVWL, vertritt die Interessen von rund 13.000 niedergelassenen Vertragsärzten und -psychotherapeuten im Landesteil Westfalen-Lippe. Für ihre Mitglieder schließt die KVWL Verträge mit den gesetzlichen Krankenkassen, rechnet die Leistungen ab und verteilt das Honorar an die Ärzte und Psychotherapeuten. Für die Bürgerinnen und Bürger gewährleistet die KVWL eine am Bedarf orientierte, wohnortnahe ambulante medizinische Versorgung von hoher Qualität.

 

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