Niedergelassene sind bei Digitalisierung weiter als Kliniken

Die Akzeptanz und Verbreitung digitaler Anwendungen im ambulanten Bereich sind weiter gestiegen. Die Ärzte und Psychotherapeuten könnten in ihren Praxen sogar noch weiter sein, wenn die Krankenhäuser digital aufholen würden. Das zeigt das PraxisBarometer Digitalisierung 2025, eine deutschlandweite Befragung der Praxen im Auftrag der KBV. 

Die Zufriedenheit mit den im Praxisalltag etablierten digitalen Anwendungen wie dem elektronischen Rezept (eRezept) und der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Sie liegt bei 80 Prozent. Das geht aus dem PraxisBarometer Digitalisierung 2025 hervor. Die Befragung hat das IGES Institut zum achten Mal im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) durchgeführt. 

Stark zugenommen hat der digitale Austausch der Praxen untereinander. So empfangen mittlerweile 87 Prozent der Praxen elektronische Arztbriefe, im Jahr 2018 waren es noch 13 Prozent. Zwei Drittel der Befragungsteilnehmer gaben an, auch Befunddaten digital zu erhalten (2022: 26 Prozent). Dabei nutzen immer mehr Ärzte und Psychotherapeuten den Kommunikationsdienst KIM. Gaben im vergangenen Jahr noch 45 Prozent der Praxen an, über KIM zu kommunizieren, stieg der Anteil in diesem Jahr auf 61 Prozent.

Trotz großer Fortschritte im ambulanten Bereich bleibt die digitale Kommunikation mit Krankenhäusern weit hinter den Erwartungen zurück: Nur 12 Prozent der Praxen tauschen sich überwiegend digital mit Kliniken aus. Besonders eklatant ist die Lücke bei Entlassbriefen – 85 Prozent der Praxen sehen darin einen hohen Nutzen, tatsächlich erhalten aber nur 15 Prozent der Praxen diese digital.

Praxen erhalten Entlassbriefe der Krankenhäuser noch zu oft per Fax 

„Während die Praxen längst digital kommunizieren, sind Krankenhäuser noch viel zu oft im Papierzeitalter verhaftet. Für die Niedergelassenen bedeutet das: Sie arbeiten einerseits in digitalen Praxen und brauchen andererseits immer noch das Faxgerät, um die Kommunikation mit den Krankenhäusern und den anderen Akteuren des Gesundheitswesens aufrecht zu erhalten", kritisiert Dr. Sibylle Steiner, Vorstandsmitglied der KBV. 

Dieser doppelte Weg koste Zeit, binde Ressourcen und sorge für wachsende Frustration. „Solange andere Akteure nicht aufschließen, bleibt die ambulante Versorgung die digitale Oase in einer rundherum analogen Wüste“, sagt Steiner.

 

PraxisBarometer Digitalisierung 2025

Zum achten Mal hat die KBV im PraxisBarometer Digitalisierung untersuchen lassen, wie es um die Digitalisierung in den Praxen steht. Hier finden Sie mehr Ergebnisse, Grafiken und einen Mitschnitt der Pressekonferenz der KBV.