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Abrechnung

Diagnosekodierung

Die Fortentwicklung der ambulanten Vergütung orientiert sich an der Morbidität der Versicherten. Es ist daher wichtig die tatsächliche Morbidität der Versicherten durch eine sachgerechte Kodierung abzubilden. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi) bietet umfangreiche und stets aktuelle Informationen zur Kodierung. Über den folgenden Link gelangen Sie u. a. zum Hausarzt-Thesaurus sowie zu diversen Facharzt-Thesauren, die jeweils als „Kitteltaschenversion“ und als „Schreibtisch-Auflage“ verfügbar sind. Des Weiteren hat das Zi Kodier-Manuale zu bestimmten Krankheitsbildern publiziert:

http://www.zi.de/cms/projekte/kodierung/

Kodierung im Zusammenhang mit Covid-19 ab 1. April 2020

Für die Kodierung von SARS-CoV-2 in der Abrechnung und auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gibt es eigene Sekundäre Diagnoseschlüssel: U07.1 ! für COVID-19-Fälle, bei denen das Virus labordiagnostisch nachgewiesen wurde und U07.2 ! neu ab 1. April.

Mit dem Sekundärkode U07.2 ! werden ab dem zweiten Quartal die „Verdachtsfälle“ kodiert, bei denen eine klinisch-epidemiologische COVID-19-Infektion diagnostiziert wurde, die durch einen Labortest nicht nachgewiesen werden konnte. Das hat die Weltgesundheitsorganisation festgelegt, um die Fälle besser unterscheiden zu können. 

Kein „!“ beim Kodieren

Bei beiden COVID-19-Kodes handelt es sich nach der ICD-10-GM um sogenannte Sekundärkodes, also Ausrufezeichenkodes (!). Damit ist geregelt, dass diese Sekundärkodes ausschließlich eine ergänzende Information enthalten und mit mindestens einem weiteren Primärkode kombiniert werden müssen. Das Ausrufezeichen gehört zur Bezeichnung des Kodes, es wird aber bei der Kodierung nicht angegeben.

Kodes ab 1. April

  • U07.1 COVID-19, Virus nachgewiesen: ist für COVID-19-Fälle vorgesehen, bei denen SARS-CoV-2 durch einen Labortest nachgewiesen wurde.
  • U07.2 COVID-19, Virus nicht nachgewiesen: ist für COVID-19-Fälle vorgesehen, bei denen SARS-CoV-2 nicht durch einen Labortest nachgewiesen werden konnte, die Infektion jedoch nach den Kriterien des Robert Koch-Institutes (RKI) vorliegt.

Nur Zusatzkennzeichen „G“

Diese Sekundärkodes werden ausschließlich mit dem Zusatzkennzeichen „G“ (gesichert) für die Diagnosesicherheit angegeben. Sie sind nicht zu verwenden, wenn ein Verdacht besteht, ohne dass die RKI-Kriterien sicher erfüllt sind (z. B. ausschließlich vermuteter Kontakt mit einem COVID-19-Infizierten) oder um den Ausschluss oder den Zustand nach einer COVID-19-Infektion zu verschlüsseln.

Wichtig für die Eingabe in das Praxisverwaltungssystem

SZENARIO 1: Labortest positiv bei akutem klinischen Bild einer COVID-19-Infektion

Sie verschlüsseln die Erkrankung beziehungsweise Symptome und geben zusätzlich den Sekundärkode U07.1 G an.

Beispiel: Ein Patient klagt über Fieber, Husten und allgemeines Krankheitsgefühl. Aus der Anamnese geht hervor, dass er innerhalb der letzten 14 Tage vor Erkrankungsbeginn Kontakt zu einer Person mit nachgewiesener COVID-19-Infektion hatte. Eine labordiagnostische Untersuchung hat den Nachweis des COVID-19-Virus ergeben.

Diagnosen:

  • J06.9   G   Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet
  • U07.1   G   COVID-19, Virus nachgewiesen

Hinweis: Die zusätzliche epidemiologische Bestätigung der Infektion ist für die Kodierung nicht relevant.

SZENARIO 2: Labortest negativ oder Test nicht möglich bei akutem klinischen Bild einer COVID-19-Infektion

Sie prüfen, ob ein epidemischer Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion nach den Kriterien des RKI vorliegt und gehen dann wie folgt vor:

A. Epidemiologische Bestätigung einer Infektion liegt vor

Sie verschlüsseln die Erkrankung beziehungsweise Symptome und geben zusätzlich den Sekundärkode U07.2 G an.

Beispiel: Bei einem Patienten besteht klinisch und röntgenologisch eine Pneumonie. In seiner Pflegeinrichtung kam es innerhalb der letzten 14 Tage gehäuft zum Auftreten von Lungenentzündungen, wobei ein epidemischer Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion wahrscheinlich ist. Der COVID-19-Labortest fällt negativ aus.

Diagnosen:

  • J12.8   G   Pneumonie durch sonstige Viren
  • U07.2   G   COVID-19, Virus nicht nachgewiesen

Bei nachgewiesener COVID-19-Erkrankung (der Labortest wird wiederholt und fällt positiv aus) verwenden Sie den Sekundärkode U07.1 G:

  • J12.8   G  Pneumonie durch sonstige Viren
  • U07.1   G   COVID-19, Virus nachgewiesen

B. Epidemiologische Bestätigung einer Infektion liegt nicht vor

Sie verschlüsseln ausschließlich die Erkrankung beziehungsweise die Symptome.

Beispiel: Ein Patient klagt über Fieber, Husten und allgemeines Krankheitsgefühl. Es finden sich keine Nachweise eines epidemiologischen Zusammenhanges mit einer COVID-19-Infektion. Ein Labortest wird nicht veranlasst.

Diagnose:

  • J06.9   G   Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet

Hinweis: Auch bei einer mittels negativem Labortest ausgeschlossenen COVID-19-Erkrankung ändert sich die Kodierung hier nicht. Weder der Sekundärkode U07.1 noch U07.2 sind anzugeben, da die Kriterien des RKI nicht vorliegen.

Verwendung der sekundären („optionalen“) Schlüsselnummern der ICD-10-GM

Sekundäre Schlüsselnummern zeichnen sich durch eine Kennzeichnung mit einem Ausrufezeichen oder einem Stern aus und können nur in Kombination mit einem primären Kode angewandt werden. Der Primärkode kennzeichnet die Grundkrankheit, Sekundärkodes dienen ausschließlich der zusätzlichen Spezifikation.
Als Veranschaulichung dienen nachfolgende Beispiele von Erkrankungen.

Schlüsselnummern mit einem Ausrufezeichen gekennzeichnet können ausschließlich zu einem Primärkode (Kode ohne Ausrufezeichen oder Stern) verwendet werden, um eine Diagnose zu spezifizieren.

Beispiel:

S42.3

Fraktur des Humerusschaftes

Primärkode


S41.87!

Weichteilschaden I. Grades bei offener Fraktur oder Luxation des Oberarmes

Spezifizierender Kode


S42.3 und S41.87!

Fraktur des Humerusschaftes mit Weichteilschaden I. Grades bei offener Fraktur oder Luxation des Oberarmes

Vollständige Kodierung der Erkrankung

Im ICD-10 sind einige Schlüsselnummern mit einem Strich (-) am Rande gekennzeichnet. Solche Schlüsselnummern dürfen nur zusätzlich zu einer nicht derart markierten Schlüsselnummer benutzt werden.

Der Primärkode ist mit einem Kreuz (+) gekennzeichnet. Der Primärkode ist derjenige der Grundkrankheiten. Für die Manifestation ist eine fakultativ zu benutzende zusätzliche Schlüsselnummer angegeben, die durch einen Stern (*) gekennzeichnet ist. Daraus ergibt sich das Grundprinzip, dass die Kreuz-Schlüsselnummer der Primärkode ist, der in jedem Falle anzuwenden ist. Die Stern-Schlüsselnummer sollte zusätzlich für den Fall benutzt werden, dass die alternative Darstellungsmethode ebenfalls benötigt wird. Der Stern-Kode darf bei der Verschlüsselung nie alleine benutzt werden. Stern-Kodes treten als dreistellige Kategorien auf. Fehlt die Angabe einer bestimmten Kategorie als Grundleiden, so sind für den gleichen Krankheitszustand andere Kategorien als Stern-Kodes zu benutzen.

Beispiel:

E10.30†

Diabetes mellitus, Typ 1, mit Augenkomplikationen, nicht als entgleist bezeichnet

Primärkode


H36.0*

Diabetische Retinopathie

Spezifizierender Kode


E10.30† und H36.0*

Diabetes mellitus, Typ 1, mit Augenkomplikationen, nicht als entgleist bezeichnet mit diabetischer Retinopathie

Vollständige Kodierung der Erkrankung

Sie finden die Angaben der Kreuz-Stern-Diagnosen zu Beginn der entsprechenden Kapitel der ICD-10-GM aufgelistet.

Ansprechpartner

Service-Center

0231 94 32 10 00
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