Innovative Versorgungsformen

Ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV)

Seit 1. April 2014 gibt es ein neues Behandlungsangebot für Patienten, die an einer schweren oder seltenen Erkrankung leiden: die ambulante spezialfachärztliche Versorgung – kurz ASV.

Das Besondere: Die Behandlung erfolgt durch interdisziplinäre Ärzteteams in Praxen und Kliniken. Erstmals übernehmen Vertragsärzte und Krankenhausärzte gemeinsam die ambulante hochspezialisierte Versorgung und das zu gleichen Rahmenbedingungen.

Die ASV umfasst die Diagnostik und Behandlung komplexer, schwer therapierbarer Krankheiten, die zum Beispiel eine spezielle Qualifikation und interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordern. Hierzu gehören:

  • Erkrankungen mit besonderem Krankheitsverlauf, zum Beispiel onkologische und rheumatologische Erkrankungen
  • Schwere Verlaufsformen von Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen, zum Beispiel Herzinsuffizienz (NYHA Stadium 3-4) und Multiple Sklerose
  • Seltene Erkrankungen und Erkrankungszustände mit geringen Fallzahlen, zum Beispiel Tuberkulose, Marfan-Syndrom, pulmonale Hypertonie und Mukoviszidose
  • Hochspezialisierte Leistungen, zum Beispiel CT/MRT-gestützte interventionelle schmerztherapeutische Leistungen

Krankheitsbilder

Krankheitsbilder

In der ASV-Richtlinie hat der Gemeinsame Bundesausschuss alle wichtigen Grundlagen des neuen Versorgungsbereichs zusammengefasst. In Anlagen konkretisiert er nach und nach für die einzelnen Krankheitsbilder, wie der Behandlungsumfang aussieht und welche Anforderungen es an Teilnehmer, Ausstattung und Qualitätssicherung gibt.

Zunächst steht das neue Angebot für folgende Erkrankungen zur Verfügung:

Tuberkulose und atypische Mykobakteriose (seit 24. April 2014)

Tuberkulose ist nach HIV/AIDS die häufigste Infektionskrankheit der Welt. In Deutschland gehört sie zu den seltenen Erkrankungen: Im Jahr 2012 traten bundesweit 4.238 Fälle auf.

Die Tuberkulose ist die erste Erkrankung, die Ärzte in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung behandeln können.

KBV: Zusammensetzung des ASV-Teams und dem Behandlungsumfang

Beschluss des G-BA zur Tuberkolose

Gastrointestinale Tumoren/Tumoren der Bauchhöhle (seit 26. Juli 2014)

Gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle sind die ersten onkologischen Erkrankungen, die Ärzte in der ASV behandeln können.

Sie fallen unter die Kategorie „Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen“. Dazu gehören auch Karzinome der Schilddrüse.

KBV: Zusammensetzung des ASV-Teams und dem Behandlungsumfang

Beschluss des G-BA zu Magen-Darm-Tumoren

Marfan-Syndrom (seit 30. Juni 2015)

Das Marfan-Syndrom ist eine genetisch bedingte Bindegewebserkrankung. Es fällt in der ASV unter die Kategorie seltene Erkrankungen.

KBV: Zusammensetzung des ASV-Teams und dem Behandlungsumfang

Beschluss des G-BA zum Marfan-Syndrom

Pulmonale Hypertonie (seit 01. Juni 2016)

Pulmonale Hypertonie ist die dritte seltene Erkrankung, die Ärzte in der ASV behandeln können. Die Details regelt die Anlage 2 – Buchstabe l zur ASV-Richtlinie.

KBV: Zusammensetzung des ASV-Teams und dem Behandlungsumfang

Beschluss des G-BA zur pulmonalen Hypertonie

Gynäkologische Tumoren (seit 10. August 2016)

Gynäkologische Tumoren sind die zweiten onkologischen Erkrankungen, die Ärzte in der ASV behandeln können.

Sie fallen unter die Kategorie „Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen“.

KBV: Zusammensetzung des ASV-Teams und dem Behandlungsumfang

Beschluss des G-BA zu gynäkologischen Tumoren

Mukoviszidose (seit 18. März 2017)

Mukoviszidose (zystische Fibrose) ist die vierte seltene Erkrankung, die Ärzte in der ASV behandeln können.

Die Details zu der genetisch bedingten Stoffwechselerkrankung regelt die Anlage 2b zur ASV-Richtlinie.

KBV: Zusammensetzung des ASV-Teams und dem Behandlungsumfang

Beschluss des G-BA zu Mukoviszidose

Weiterführende Informationen der KBV zu den einzelnen Krankheitsbildern

Weitere Indikationen sind nach und nach vorgesehen. Ärzte, die an der ASV teilnehmen möchten, finden die entsprechenden Anzeigeformulare zu diesem Zeitpunkt auf der Homepage des Erweiterten Landesausschusses:

www.erweiterter-landesausschuss-wl.de

Schritt für Schritt zur Teilnahme

Sie möchten als Arzt in dem neuen Versorgungsbereich ASV arbeiten? Die Teilnahme ist nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick vielleicht aussieht. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt den Weg in die ASV.

Team bilden

In dem neuen Versorgungsbereich übernehmen interdisziplinäre Teams die Behandlung der Patienten. Dabei ist für jede Krankheit genau festgelegt, welche Fachärzte dem ASV-Team angehören müssen. Aus welchen Fachgruppen sich das Team zusammensetzen muss, beziehungsweise welche Qualifikationen von den Teammitgliedern gefordert werden, regelt die jeweilige Anlage zur ASV-Richtlinie.

Jedes Team besteht aus einem Kernteam mit einem Teamleiter und den Mitgliedern sowie weiteren Fachärzten oder Psychotherapeuten, die bei Bedarf hinzugezogen werden. Dabei können Vertrags- und Krankenhausärzte auch gemischte Teams bilden.

Ebene 1: Kernteam – Teamleitung

Der Teamleiter koordiniert die ambulante spezialfachärztliche Versorgung fachlich und organisatorisch. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen; er ist für die Patienten der erste Ansprechpartner.

Die Aufgabe des Teamleiters übernimmt in der Regel der Facharzt, der die Patienten aufgrund seiner Fachkunde schwerpunktmäßig betreut, zum Beispiel bei der Tuberkulose der Pneumologe.

Ebene 2: Kernteam – Mitglieder

Die Mitglieder des Kernteams sind Fachärzte, die aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen bei der Behandlung der jeweiligen Krankheit mitwirken. Sie arbeiten eng mit dem Teamleiter zusammen.

Ebene 3: Hinzuzuziehende Fachärzte

Hinzuzuziehende Fachärzte und Psychotherapeuten sind solche, deren Kenntnisse und Erfahrungen typischerweise bei einem Teil der Patienten ergänzend benötigt werden. Ihr Tätigkeitsort muss ebenfalls in angemessener Entfernung von der Praxis des Teamleiters liegen.

Die Ärzte sind in der Regel nicht nur in der ASV tätig.

Ein Lungenfacharzt zum Beispiel, der in einem ASV-Team Patienten mit Tuberkulose behandelt, betreut in seiner Praxis weiterhin Patienten mit anderen Erkrankungen.

Teilnahme beim Erweiterten Landesausschuss anzeigen

Steht das Team, folgt die Anzeige zur Teilnahme an der ASV beim Erweiterten Landesausschuss. Das Gremium aus Vertretern von Ärzteschaft, Krankenkassen und Krankenhäusern prüft, ob die Ärzte und Krankenhäuser die Zugangsvoraussetzungen zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung erfüllen. Die entsprechenden Anzeigeformulare sowie Informationen dazu, welche Unterlagen in welcher Form einzureichen sind, finden Sie auf der Seite des erweiterten Landesausschusses:

Anzeigeformulare des erweiterten Landesausschusses

Alle zukünftigen Änderungen des Teams müssen dem erweiterten Landesausschuss angezeigt werden. Dabei gelten besondere Fristen: Verlässt ein Mitglied das Team, muss dies dem Ausschuss innerhalb von sieben Werktagen mitgeteilt und innerhalb von sechs Monaten Ersatz gefunden werden, sonst wird die Berechtigung entzogen. In der Zwischenzeit muss eine Vertretung einspringen.

ASV-Teamnummer erhalten

Praxis-Tipp:

Um das Verfahren zu beschleunigen, beantragen Sie die Teamnummer schon, sobald Sie dem erweiterten Landesauschuss Ihre ASV-Teilnahme angezeigt haben.

Sobald das Team seine ASV-Berechtigung hat, informiert der Teamleiter die ASV-Servicestelle. Das Team erhält dann eine ASV-Teamnummer. Diese Nummer benötigen die Ärzte für die Abrechnung, für Verordnungen und Überweisungen.

Für die Ausgabe der Teamnummer benötigt die Servicestelle verschiedene Angaben zu den Teammitgliedern wie Name, Fachgebiet und Praxisadresse. Diese Daten können schnell und einfach online eingegeben oder per E-Mail an die Servicestelle übermittelt werden.

Abrechnung beauftragen

Legen Sie fest, wie Sie Ihre ASV-Leistungen abrechnen möchten: über Ihre Kassenärztliche Vereinigung oder direkt mit den Krankenkassen

Starten und Patienten informieren

Die ASV-Richtlinie sieht vor, dass Sie Ihre Patienten bei einem ersten Kontakt mit der ASV über diesen neuen Versorgungsbereich informieren. Dazu zählt auch, das behandelnde interdisziplinäre Team und dessen Leistungsspektrum vorzustellen.

Die Information des Patienten ist zu dokumentieren – Art und Weise ist nicht vorgegeben.

Ist die Behandlung abgeschlossen, erhält der Patient eine schriftliche Information über die Ergebnisse sowie das weitere Vorgehen.

Hinweis: Auch den Vertragsarzt, der Ihnen den Patienten überwiesen hat, informieren Sie über die Aufnahme sowie den Abschluss der ASV.

Checkliste für Ärzte zur ASV-Teilnahme

Abrechnen über die KVWL

Die einfachste Möglichkeit, um Leistungen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung abzurechnen, ist der gewohnte Weg über die Kassenärztliche Vereinigung. Die Abrechnung von ASV-Leistungen ist im Zuge der normalen Quartalsabrechnung möglich.

Jeder ASV-Berechtigte rechnet selber ab

Jeder ASV-berechtigte Arzt rechnet seine ASV-Leistungen selbst ab. Es gibt keine Sammelabrechnung, die einer für das ganze Team übernimmt. Jedes Team erhält eine einheitliche ASV-Teamnummer. Wenn Sie diese Nummer zur Leistung im Praxisverwaltungssystem (PVS) hinzusetzen, wird diese als ASV-Leistung markiert.

Abrechnungsgrundlage: „Appendizes“ führen alle Leistungen auf

Welche Leistungen Ärzte in der ASV abrechnen können, wird in den Anlagen zur ASV-Richtlinie für jede Erkrankung beschrieben. In dem „Appendix“ ist auch festgelegt, wer von den ASV-Teammitgliedern die Leistung abrechnen darf.

Der Appendix besteht aus zwei Abschnitten:

  • Abschnitt 1 des Appendix führt alle EBM-Gebührenordnungspositionen (GOP) für die jeweilige ASV-Erkrankung auf.
  • Abschnitt 2 führt analog neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden auf, die noch nicht Bestandteil des EBM sind, aber im Rahmen der ASV angewendet werden dürfen.

Alle in Abschnitt 2 definierten Leistungen sollen spätestens sechs Monate nach Inkrafttreten einer ASV-Indikation in das neue EBM-Kapitel 50 für die ASV überführt werden.

ASV-Appendix (Institut des Bewertungsausschusses / Berlin)

Institutionskennzeichen

Vertragsärzte, die ihre ASV-Leistungen über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) abrechnen, benötigen das Institutionskennzeichen (IK) ihrer KV. Die neunstellige Nummer ist ein eindeutiges Merkmal für die Abrechnung und wird im Zahlungsverkehr angegeben.

Institutionskennzeichen Westfalen-Lippe

203525306

Hinweis: Das Institutionskennzeichen muss bei der ASV-Servicestelle angegeben werden, wenn der Teamleiter die ASV-Teamnummer beantragt.

ASV-Leistungen werden extrabudgetär vergütet

Die Leistungen der ASV werden zu festen Preisen extrabudgetär vergütet. Somit gibt es keine Mengenbegrenzung. Die Vergütung ist für Praxis- und Klinikärzte einheitlich.

Vergütung zunächst nach regionaler Euro-Gebührenordnung

Übergangsweise hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass die Vergütung der ambulanten spezialfachärztlichen Leistungen auf Grundlage des EBM erfolgt – das heißt, zunächst gelten die Preise der jeweiligen regionalen Euro-Gebührenordnung.

Leistungen, die noch nicht im EBM enthalten sind und abgerechnet werden dürfen, werden vorübergehend nach der Gebührenordnung für Ärzte honoriert. Die Regelung gilt dabei immer nur so lange, bis die Leistungen in das neue EBM-Kapitel 50 für die ASV aufgenommen wurden.

Entwicklung einer eigenen Vergütungssystematik

In einem weiteren Schritt prüft der ergänzte Bewertungsausschuss – ein Gremium mit Vertretern aus KBV, GKV-Spitzenverband und ergänzt um Vertreter der Deutschen Krankenhausgesellschaft – ob die Vergütung nach regionaler Euro-Gebührenordnung im Rahmen der ASV angemessen ist, und passt die Vergütung gegebenenfalls an.

Ziel ist die Entwicklung einer eigenen Vergütungssystematik für den Versorgungsbereich ASV.

Zukünftig: Diagnosebezogene Pauschalen

In Zukunft soll es dann in einer dritten Stufe diagnosebezogene Pauschalen für ASV-Leistungen geben. Die genaue Systematik wird vom ergänzten Bewertungsausschuss noch festgelegt.

 

Abrechnung von Leistungen, die nicht im EBM enthalten sind

Leistungen, die nicht im EBM enthalten sind und laut ASV-Richtlinie abgerechnet werden dürfen, werden vorübergehend nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) honoriert.

Ausgenommen sind Leistungen, die der Vereinbarung über die qualifizierte ambulante Versorgung krebskranker Patienten („Onkologie-Vereinbarung“) entnommen sind - einschließlich GOP 86518 palliativmedizinische Versorgung.

Diese werden bis zur Aufnahme in den EBM nach den regionalen Kostenpauschalen des Anhangs 2 der „Onkologie-Vereinbarung“ (Anlage 7 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte) vergütet.

Nach Vorgabe des Gesetzgebers sollen diese Leistungen spätestens sechs Monate nach dem Inkrafttreten einer ASV-Indikation in das neue EBM-Kapitel 50 für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung überführt werden.

Ansprechpartner
Abrechnung

Claudia Jankowiak

0231 94 32 37 44
E-Mail

Thomas de Lauw

0231 94 32 11 30
E-Mail

Linksammlung

G-BA: ASV-Richtlinie

Sozialgesetzbuch V: § 116b Ambulante spezialfachärztliche Versorgung

KBV-Broschüre: Praxiswissen ASV

KBV: Abrechnungsvereinbarung ASV

ASV-Appendix (Institut des Bewertungsausschusses / Berlin)

Erweiterter Landesausschuss

ASV-Servicestelle

Ansprechpartner

Carsten Vosseler

0231 94 32 32 39

0231 94 32 83 23 9

E-Mail