Innovative Versorgungsformen

Telemedizin - Videosprechstunde

 

Online-Videosprechstunden können seit dem 1. April 2017 durchgeführt und abgerechnet werden. Das E-Health-Gesetz hatte die finanzielle Förderung dieser telemedizinischen Leistung erst ab 1. Juli 2017 gefordert.

Videosprechstunden in der Praxis

Gerade bei langen Anfahrtswegen oder nach Operationen können telemedizinische Leistungen eine sinnvolle Hilfe sein, so wie z.B. die Videosprechstunde. Ärzte können ihren Patienten dabei die weitere Therapie am Bildschirm erläutern oder den Heilungsprozess einer Operationswunde begutachten. So müssen Patienten nicht für jeden Termin in die Praxis kommen.

Dabei ist die Organisation einfach: Der Arzt wählt einen zertifizierten Videodienstanbieter aus, der für einen reibungslosen und sicheren technischen Ablauf der Videosprechstunde sorgt. Arzt und Patient benötigen im Wesentlichen einen Bildschirm mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sowie eine Internetverbindung. Eine zusätzliche Software ist nicht erforderlich.

Die Leistungen der Videosprechstunde dürfen nur erbracht und abgerechnet werden, sofern die Voraussetzungen der Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte erfüllt sind (u. a. darf nur ein zertifizierter Videodienst genutzt werden).

Die Erfüllung dieser Anforderungen zeigt die Praxis durch ein Anzeigeformular gegenüber der KVWL an.

Vergütung

Vergütung

Die Videosprechstunde kann als neue telemedizinische Leistung ab April und somit eher als vorgesehen durchgeführt werden. Der Bewertungsausschuss hat dazu die Einführung einer Technikpauschale beschlossen. Außerdem wird der EBM um Regelungen zum Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde ergänzt.

Technik- und Förderzuschlag

Zur Förderung von Videosprechstunden erhalten Ärzte ab April bis zu 800 Euro jährlich. Die Mittel dienen vor allem zur Deckung der Kosten, die durch die Nutzung eines Videodienstanbieters anfallen. Dafür gibt es einen Technik- und Förderzuschlag, den jeder Arzt pro Videosprechstunde erhält:

GOP 01450: 4,21 Euro (Bewertung: 40 Punkte), je Arzt-Patienten-Kontakt für bis zu 50 Videosprechstunden im Quartal

  • Die GOP 01450 wird als Zuschlag zur Versichertenpauschale, zu den meisten Grundpauschalen, zu den Konsiliarpauschalen des Kapitels 25, zur schmerztherapeutischen Pauschale (GOP 30700) und zur neuen GOP 01439 gezahlt. (Die neue GOP 01439 ist berechnungsfähig, wenn ein Arzt-Patienten-Kontakt in einem Quartal ausschließlich per Video stattfindet.)
  • Den Zuschlag gibt es für maximal 50 Videosprechstunden pro Arzt und Quartal (= 1.899 Punkte). Er ist damit auf rund 200 Euro begrenzt. Die Vergütung  erfolgt extrabudgetär.
  • Die GOP 01450 ist nur abrechnungsfähig, sofern es sich bei der Verlaufskontrolle in der Videosprechstunde um eine Folgebegutachtung handelt; das heißt, der Patient muss in demselben Quartal wegen der Beschwerden mindestens einmal in der Praxis gewesen sein.

Konsultation

Videosprechstunden können eine persönliche Vorstellung in der Praxis ersetzen. Die Konsultation ist deshalb Inhalt der Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale und somit nicht gesondert berechnungsfähig. Für Fälle, bei denen der Patient in einem Quartal  nicht  die Praxis aufsucht, wurde eine analoge Regelung zum telefonischen Arzt-Patienten-Kontakt vereinbart und eine neue GOP (ab 1. April) in den EBM aufgenommen:

GOP 01439: 9,27 Euro (Bewertung: 88 Punkte), einmal im Behandlungsfall

  • Auf diese GOP wird der Technikzuschlag für die Videosprechstunde (GOP 01450) gezahlt.
  • Die GOP 01439 kann abgerechnet werden, wenn der Arzt-Patienten-Kontakt nur im Rahmen einer Videosprechstunde stattfindet und folglich im Quartal keine Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale abgerechnet wird.
  • Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Patient in den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens einmal in der Praxis persönlich vorstellig geworden ist und die Verlaufskontrolle durch dieselbe Praxis erfolgt wie die Erstbegutachtung.
  • Die GOP ist – mit Ausnahme der GOP 01450 – nicht neben anderen Gebührenordnungspositionen be- rechnungsfähig.

Außerdem wurde für eine Reihe von Gebührenordnungspositionen, die mindestens drei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Behandlungsfall voraussetzen, vereinbart, dass einer dieser persönlichen Kontakte auch im Rahmen einer Videosprechstunde stattfinden kann. Dies gilt für folgende GOP: 02310, 07310, 07311, 07330, 07340, 10330, 18310, 18311, 18330, 18340.

Hinweis zur Abrechnung

Leistungen der Videosprechstunde können nur abgerechnet werden, wenn die Voraussetzungen gemäß der Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte erfüllt sind. In Bezug auf die technischen Anforderungen weist die Praxis dies durch eine Erklärung des Videodienstanbieters gegen- über der Kassenärztlichen Vereinigung nach.

Anpassung Anhang 2 EBM

Der Anhang 2 zum Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) wird mit Wirkung zum 1. April 2017 an den Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) Version 2017 angepasst. Die Anpassung wurde durch die jährliche Aktualisierung der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10-GM) und des OPS des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) erforderlich. Dabei handelt es sich um die Aufnahme von neuen OPS-Kodes und die Streichung von ungültigen (beendeten) OPS-Kodes in der Version 2017 im Vergleich zur Version 2016.

KBV Informationen

Praxisinformation zur Videosprechstunden (132 KB)

Patienteninformation zur Videosprechstunden (149 KB)

Rechtsquellen

BMV-Ä - Anlagen 31b: Technischen Verfahren zur Videosprechstunde

BMV-Ä - Anlagen 31: Telemedizinische Leistungen in der vertragsärztlichen Versorgung

elVi - Videosprechstunde in Pflegeheimen

Nach einer erfolgreichen Testphase in Bünde (OWL) rollt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, gemeinsam mit der AOK NORDWEST, die Elektronische Arztvisite (elVi) in Pflegeheimen ab 1. Juli nun auch sukzessive auf andere Praxisnetzregionen in Westfalen-Lippe aus. Weitere Krankenkassen können dem Vertrag beitreten.

Was ist das Ziel der elektronischen Visite im Pflegeheim?

Telemedizinische Anwendungen können Mediziner als auch Pflegekräfte bei ihrer Arbeit entlasten, wobei die Qualität der Versorgung weiterhin gewährleistet wird. Telemedizinische Services können auch in stationären Einrichtungen der Alten- bzw. Langzeitpflege dazu beitragen, den Bewohnern auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung anzubieten.

Wie funktioniert die elektronische Visite?

Der niedergelassene Arzt und die verantwortliche Pflegekraft halten über ein webbasiertes Videokonferenzsystem (in der Testphase ‚elVi‘) per Tablet oder PC eine elektronische Arztvisite ab, um Unklarheiten, Medikationsanfragen, Beurteilungen chronischer Wunden oder Therapievorschläge zu besprechen.

Dabei gibt es eine Live-Schaltung zwischen der Arztpraxis und der stationären Einrichtung. Die elVi kann bei Bedarf um die Erfassung von Vitalparametern wie Herzrhythmus, Sauerstoffspannung, Körpertemperatur oder Blutzuckergehalt des Patienten ergänzt werden. Diese werden in Echtzeit über Messgeräte erhoben und sind dem Arzt sofort zugänglich. Die erforderlichen Datenschutz- und Qualitätsstandards werden dabei erfüllt. Jedoch kann ‚elVi‘ nicht jeden Arztbesuch ersetzen.Aber durch die moderne Technik können die Ärzte schnell sehen, wie es dem Patienten geht und dann konkret helfen.

Wer kann an der elektronischen Visite teilnehmen?

Praxisnetze, die bereits an dem Vertrag zur Weiterentwicklung der Strukturen bei der Versorgung von Pflegeheimbewohnern teilnehmen, können ihren Mitgliedspraxen den Einsatz der elektronischen Visite anbieten. Diese Praxisnetze kooperieren zum Teil seit über drei Jahren mit den regionalen Pflegeheimen und bieten daher eine gute Basis für ein Rollout des Projektes.

Bei welchen Patienten kann die elektronische Visite eingesetzt werden?

Die Teilnahme ist für die Versicherten freiwillig und kostenlos, die freie Arztwahl bleibt erhalten. Der Datenschutz ist gewährleistet.

Ein Patient kann an einer Videosprechstunde gemäß dieser Vereinbarung teilnehmen, wenn folgende drei Kriterien erfüllt sind:

  • der Patient nimmt bereits an dem entsprechenden Pflegeheimvertrag teil.
  • Seine Krankenkasse hat sich auch diesem Projekt angeschlossen.
  • Das versorgende Praxisnetz mit den teilnehmenden Ärzten der Region beteiligt sich ebenfalls am Projekt.

Weitere Infos

Pressemitteilung vom 27.06.2017

Vertrag

Der Vertrag wird in den nächsten Tagen veröffentlicht.

Ansprechpartner

Stabsbereich Praxisnetze und kooperative Versorgungsmodelle

Diane Weber

0231 94 32 32 04
E-Mail

Ansprechpartner

Service-Center

0231 94 32 10 00
E-Mail