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Koordinierte Hilfe durch Netzverbünde für schwer psychisch erkrankte Versicherte

Artikel erstellt am: 28.03.2022

Schwer psychisch erkrankte Erwachsene, die eine komplexe ärztliche und therapeutische Behandlung bedürfen, sollen wohnortnah noch besser, nämlich schnell und koordiniert, versorgt werden. Voraussetzungen dafür schafft die KSVPsych-RL, eine neue Richtlinie, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 2. September 2021 beschlossen hat. Ziel ist es, alle für die Versorgung eines Patienten benötigten Gesundheitsberufe zu vernetzen. Das schließt auch Hilfen ein, wenn Patientinnen und Patienten zwischen stationärer und ambulanter Versorgung wechseln.

Netzverbünde sollen die neue Komplexbehandlung organisieren. Dafür schließen sich mindestens zehn Ärzte und Psychotherapeuten zu einem Netzverbund zusammen, gleichzeitig schließt jeder Netzverbund Kooperationsverträge mit mindestens einem Krankenhaus, das eine psychiatrische oder psychosomatische Einrichtung für Erwachsene hat, sowie mit mindestens einer Person aus folgenden Gesundheitsberufen:

  • Ergotherapie
  • Soziotherapie
  • psychiatrische häusliche Krankenpflege.

Mindestens ein kooperierendes Krankenhaus muss in der Region des Netzverbundes für die regionale psychiatrische Pflichtversorgung zuständig sein.

Als Startschuss für die Netzverbünde ist der 1. Juli 2022 realistisch. Derzeit werden im Bewertungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen noch die benötigten Vergütungsziffern erarbeitet und festgelegt.

Die psychiatrische oder psychotherapeutische Komplexbehandlung richtet sich an Erwachsene mit schweren psychischen Erkrankungen. Konkret müssen diese vier Kriterien erfüllt sein:

  1. Die Person hat das 18. Lebensjahr vollendet (für Kinder und Jugendliche wird eine separate Richtlinie erarbeitet).
  2. Es liegt eine psychische Erkrankung F10-F99 nach Kapitel V der ICD-10-GM vor.
  3. Der GAF-Wert beträgt höchstens ≤50.
  4. Es handelt sich um einen komplexen Behandlungsbedarf: Zur Erreichung des Behandlungsziels (Heilung, Linderung oder Verhütung von Verschlimmerung) ist pro Quartal der Einsatz von mindestens zwei Maßnahmen der Krankenbehandlung durch unterschiedliche Disziplinen nötig.

Besondere Aufgaben übernehmen Netzwerker mit besonderen Aufgaben: nichtärztliche koordinierende Personen sowie Bezugsärztinnen und -ärzte und Bezugspsychotherapeutinnen und -therapeuten, die für den Gesamtbehandlungsplan verantwortlich sind.
Sie möchten mehr erfahren? Lesen Sie die Pressemitteilung des G-BA vom 2. September 2021 und die ausführlichen Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

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