Verordnung

Arzneimittelvereinbarung für Westfalen-Lippe

Vereinbarung 2018 - Sicher verordnen in Westfalen-Lippe

Änderungen in der Übersicht

Fokus auf Biosimilars

Auch 2017 hat die Steuerung in Westfalen-Lippe mit Hilfe der KVWL-Trendmeldung und den Leitsubstanzquoten sehr gut funktioniert. Die Systematik, keinen starren Zielwert vorzugeben, sondern im Rahmen der Ampel-Systematik auch dann ein Ziel zu erreichen, wenn weitgehend in Richtung Leitsubstanz gesteuert wird, führt zur Prüfentlastung vieler Ärzte in Westfalen-Lippe. Dies ist insbesondere angesichts der aktuellen Entwicklung mit vielen hochpreisigen neuen Arzneimitteln, die im Rahmen der frühen Nutzenbewertung bewertet werden, eine wichtige Sicherheit.

Insbesondere bei gleichwertigen therapeutischen Alternativen - wie z. B. Biosimilars oder innerhalb der NOAKs - hat die Steuerung sehr gute Erfolge. Daher wurden die Verordnungsziele 2018 aus den bekannten Zielen weiterentwickelt. Neue Ziele gibt es praktisch nur noch im Bereich der Biosimilars. Medikamente, die über die frühe Nutzenbewertung und anschließende Preisverhandlungen in den Markt kommen, lassen sich im Regelfall nicht sinnvoll in Quoten zusammenfassen, insbesondere wenn ein patientenrelevanter Zusatznutzen festgestellt wurde. Es waren in diesem Bereich keine sinnvollen neuen Ziele abzuleiten. Das gleiche gilt im Generika-Markt, wenn eine automatische Substitution in der Apotheke möglich ist. Daher fokussiert sich die Steuerung auf den verbleibenden Bereich, insbesondere der Biologika, wenn alternative Substanzen zur Verfügung stehen, jedoch keine automatische Substitution in der Apotheke stattfindet. Im Bereich der Insuline und Biosimilars von monoklonalen Antikörpern wie Rituximab sind neue Ziele hinzugekommen. All diese Ziele können ohne Einschränkung der Verordnungsmenge erreicht werden.

Neue Empfehlungen der AkdÄ zu Biosimilars

Die Strategie für Westfalen-Lippe wird eindrucksvoll durch die im Sommer aktualisierten Empfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) unterstützt. Die AkdÄ hat in ihrem ausführlichen Leitfaden zu Biosimilars noch einmal explizit auf die therapeutische Vergleichbarkeit hingewiesen und stellt fest, dass sowohl bei Erst- als auch Folgeverordnungen grundsätzlich das wirtschaftlichste Arzneimittel verordnet werden kann, falls patientenindividuell eine entsprechende Dosierung etc. zur Verfügung steht. Diese Empfehlung der AkdÄ bestätigt die positiven Erfahrungen, die mit dem weitgehenden Einsatz von Biosimilars, z. B. bei TNF-Alphablockern, in Westfalen-Lippe von unseren Ärzten gemacht wurden. Gleichzeitig bestätigt sie uns fachlich darin, im Bereich Biosimilars weiter zu steuern. Die anderen Leitsubstanzempfehlungen wurden weitgehend fortgesetzt bzw. leicht modifiziert.

Wirtschaftlichkeitziele nach § 3

Zusatzinformation zu ausgewählten Wirkstoffgruppen der Anlage

Die Leitsubstanz ist als Empfehlung zu betrachten

Nr. Wirkstoffgr. Leitsubst. VO-Anteil %
Wirkstoffklassen - Liste A (quantitative Ziele)
1 Statine und ezetimibhaltige Arzneimittel Ezetimibhaltige Lipidsenker als Mittel der Reserve < 4%
< 6% (zugel.
Kardiologen)
2 ACE-Hemmer und Sartane inkl. Kombinationen ausgenommen Valsartan/Sacubitril Hochpreisige Kombinationen mit Calciumantagonisten (Kosten je DDD > 0,90€) als Mittel der Reserve < 1,5%
3 Neue orale Antikoagulantien (NOAK) Preisgünstige NOAK wie z.B. Apixaban, Edoxaban > 75%
4 Blutzuckerteststreifen Preisgünstige Teststreifen; Durchschnittspreis max. 0,48€ pro Teststreifen; möglichst Quartalsbedarf auf einem Rezept verordnen  
5 Kurzwirksame Insulin-Analoga Vorrangiger Einsatz von biosimilar verfügbaren kurzwirksamen Insulinen (z.B. Insulin lispro) insbesondere bei Neueinstellungen > 55%
6 BtM-rezeptpflichtige Analgetika* Nicht generikafähige Originalpräparate inklusive Kombinationen (Vermeidung von z.B. Targin®, Palexia®) als Mittel der Reserve < 6%
7 Erythropoetine EPO-Biosimilars gemäß Definition der Bundesrahmenvorgabe > 75%
8 Gonadotropin-Releasing-Hormon Analoga Preisgünstige Leuprorelinpräparate von Generikaherstellern > 35%
(Kostenanteil)
9 Therapie der MS mit Interferonen, Glatiramer, Teriflunomid, Dimethylfumarat Interferon-Beta 1a (auch pegyliert) als Mittel der Reserve < 20%
10 Bisphosphonate und Denosumab (Osteoporose) Alendronsäure/ Risedronsäure (generisch) > 67%
> 90% (zugel.
Allgemeinmediziner)
11 TNF-alpha-Inhibitoren Preisgünstige oder biosimilar verfügbare TNF-alpha-Inhibitoren wie z.B. Etanercept, Infliximab, Golimumab, Certolizumab > 70% (zugel.
Gastroenterologen)

> 85% (zugel.
Rheumatologen)
12 Tiotropium Vorrangiger Einsatz von Generika insbesondere bei Neueinstellungen > 7%
13 Prostaglandin-Analoga inkl. Kombinationen mit Timolol in der Glaukomtherapie Generikafähige Prostaglandin-Analoga inkl. Kombinationen mit Timolol > 80%
14 Infliximab Infliximab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 75%
15 Etanercept Etanercept-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 75%
16 Insulin glargin Insulin glargin-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 15%
17 Insulin lispro Insulin lispro-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 10%
18 Follitropin-alfa Follitropin-alfa-Biosimilars > 40%
19 Enoxaparin Enoxaparin-Biosimilars > 15%
20 Somatropin Somatropin-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 40 %
21 Rituximab in Rezepturen Rituximab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 30%

*einschließlich Kombinationen von Oxycodon/ Naloxon und Tapentadol ausgenommen Levomethadon sowie alle Ampullen


 

Wirkstoffklassen - Liste B (qualitative Ziele)
22 Medikamente im Alter Absenkung des Anteils älterer Patienten, die dauerhaft mindestens 6 Wirkstoffe und davon mindestens 1 inadäquates Arzneimittel (z.B. Priscus) erhalten.
23 Antibiotika/ Fluorchinolone Absenkung der Verordnungsmenge (DDD) je 1000 Versicherte unter anderem zur MRSA-Vorbeugung:
- zurückhaltende Verordnung von Antibiotika
- Reduzierung der Reserveantibiotika (z.B.Gyrasehemmer)
24 Biosimilars (auch in Rezepturen) Vorrangige Verordnung von preisgünstigen Biosimilars (z.B. Somatropin, EPO, Filgrastim, TNF-alpha-Inhibitoren, Rituximab)
25 Aut-idem-Austausch grundsätzlich zulassen Aut-idem Ausschluss nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen
26 Wirkstoffe, die die frühe Nutzenbewertung durchlaufen haben Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung beachten
27 Protonenpumpeninhibitoren (PPI) PPI nur indikationsgerecht und gemäß AM- RL einsetzen. Absenkung der DDD je Versicherter auf das Niveau der GKV West.
28 Hormonelle Kontrazeptiva Vorrangige Verordnung von risikoärmeren Kontrazeptiva
29 Verbandmittel Die Preisinformation zu Verbandmitteln beachten
30 Antidiabetika außer Insulin Evidenzbasierter Einsatz generisch verfügbarer Wirkstoffe und Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung beachten
31 Orale Antikoagulantien (OAK) Gut auf Vitamin-K-Antagonisten (VKA) eingestellte und einstellbare Patienten vorrangig mit VKA wie z.B. Phenprocoumon behandeln
32 Hyposensibilisierung KVWL InVo Hyposensibilisierung insbesondere bei Neueinstellungen beachten

 

Zusatzinformationen zu den bisherigen Vereinbarungen

2017 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (819 KB)

2016 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (819 KB)

2015 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (582 KB)

2014 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (239 KB)

2013 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (4140 KB)

2012 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (202 KB)

2011 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (533 KB)

2010 - Anlage und Infos zur Vereinbarung (252 KB)

2009 - Anlage zur Vereinbarung (62 KB)

2008 - Broschüre zur Vereinbarung (962 KB)

2007 - Broschüre zur Vereinbarung (77 KB)

2006 - Broschüre zur Vereinbarung (139 KB)

 

Arzneimittelvereinbarung

Die aktuelle Arzneimittelvereinbarung der KVWL plus Anlagen finden Sie unter Rechtsquellen und Verträge der KVWL

Ansprechpartner

Arzneimittel / Sprechstundenbedarf

0231 94 32 39 41

Heilmittel / Hilfsmittel

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