Verordnung

Arzneimittelvereinbarung für Westfalen-Lippe

Vereinbarung 2021 - Sicher verordnen in Westfalen-Lippe

Änderungen in der Übersicht

Was gibt es Neues?

Auch für das Jahr 2021 hat die KVWL mit den Vertragspartnern eine Arznei- und Heilmittelvereinbarung fristgerecht geschlossen.
Im Jahr 2020 hat sich bestätigt, dass das Konzept der westfälisch-lippischen Steuerung mit Leitsubstanzen gut funktioniert und den Ärzten Verordnungssicherheit gibt.
Allerdings haben sich einige Änderungen bei den Leitsubstanzzielen ergeben.
Ergänzend wollen die Vertragspartner in 2021 zu einem einheitlichen Einsatz von Protonenpumpenhemmern informieren.

Leitsubstanzenkonzept weiterentwickelt

Im Vergleich zu den Leitsubstanzzielen für das Jahr 2020 sind verschiedene Quoten weggefallen. Die Lipidsenkerquote ist gestrichen worden, da das Ezetimib als Monosubstanz generisch verfügbar ist und hochpreisige Kombinationen mit Statinen durch die Festbetragsregelungen nicht mehr zu Mehrkosten führen. Auch ist die Quote zu Opioid-Arzneimitteln nicht weitergeführt worden, da verschiedene Generika auf den Markt gekommen
sind.
Verschiedene andere Quoten wurden unverändert fortgesetzt zum Beispiel die Quoten der Blutzuckerteststreifen und der Therapie der Multiplen Sklerose.
In 2019 sind erstmals rabattierte Arzneimittel bei den Quoten zu den direkten Antikoagulantien (DOAK) und zu den GN-RH-Analoga berücksichtigt worden. Die Erprobung dieser Regelung ist erfolgreich angelaufen und wird in 2021 fortgesetzt.

Vollständige Berücksichtigung von Rabattverträgen bei Biologika

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat eine Ergänzung derArzneimittel-Richtlinie veröffentlicht. Dort sind Empfehlungen zur Austauschbarkeit von biotechnologischen Arzneimitteln formuliert. Insbesondere stellt der G-BA klar, dass rabattierte Arzneimittel in jedem Fall als eine wirtschaftliche Alternative gelten, unabhängig davon, ob sie als Original oder Biosimilar zugelassen sind. Daher werden ab 2021 bei den Biosimilarquoten rabattierte Produkte vollständig zu Gunsten des Arztes berücksichtigt. Da die Laufzeit von Rabattverträgen für den Arzt nicht prognostizierbar bzw. transparent dargestellt ist, ist es nach wie vor grundsätzlich sinnvoll, vorrangig Biosimilars, idealerweise mit zusätzlichem Rabattvertrag zu verordnen. In jedem Fall wird diese weitgehende Berücksichtigung von Rabattverträgen zu einer gesteigerten Verordnungssicherheit für die verordnenden Ärzte führen.

Nähere Informationen finden Sie in den Erläuterungen zu den einzelnen Zielvereinbarungen.

Wirtschaftlichkeitsziele nach § 3

Zusatzinformation zu ausgewählten Wirkstoffgruppen der Anlage

Die Leitsubstanz ist als Empfehlung zu betrachten

Nr. Wirkstoffgr. Leitsubst. VO-Anteil %
Wirkstoffklassen - Liste A (quantitative Ziele)
1 Direkte orale Antikoagulantien (DOAK) Preisgünstige DOAK wie z.B. Apixaban, Edoxaban* > 93%
2 Bisphosphonate und Denosumab inkl. Kombinationen (Osteoporose) Alendronsäure/ Risedronsäure (generisch) inkl. Kombinationen > 67%
> 90% (zugel. All­gemein­mediziner)
3 Gonadotropin-Releasing-Hormon Analoga Preisgünstige Leuprorelinpräparate von Generikaherstellern* > 58% (Kostenanteil)
4 Therapie der MS mit Interferonen, Glatiramer, Teriflunomid, Dimethylfumarat Interferon-Beta 1a (auch pegyliert) als Mittel der Reserve < 20%
5 Prostaglandin-Analoga inkl. Kombinationen mit Timolol in der Glaukomtherapie Generikafähige Prostaglandin-Analoga inkl. Kombinationen mit Timolol

> 83%

6 Blutzuckerteststreifen Preisgünstige Teststreifen;
Durchschnittspreis max. 0,47€ pro Teststreifen; möglichst Quartalsbedarf auf einem Rezept verordnen
7 Erythropoetine Preisgünstige EPO-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen* > 90%
8 Insulin glargin Preisgünstige Insulin glargin-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen* > 95%
9 Insulin lispro Preisgünstige Insulin lispro-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen* > 95%
10 Insulin aspart Preisgünstige Insulin aspart-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen* > 95%
11 Adalimumab Preisgünstige Adalimumab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen* > 95%
12 Etanercept Preisgünstige Etanercept-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen* > 95%
13 Infliximab Preisgünstige Infliximab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen* > 95%
14 Follitropin-alfa Preisgünstige Follitropin-alfa-Biosimilars* > 80%
15 Somatropin Preisgünstige Somatropin-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen* > 60%
16 Bevacizumab in Rezepturen Bevacizumab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 95%
17 Rituximab in Rezepturen Rituximab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 95%
18 Trastuzumab in Rezepturen Trastuzumab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 95%

* Berücksichtigung kassenindividueller Rabattverträge gem. § 3 (3) AMV


 

Wirkstoffklassen - Liste B (qualitative Ziele)
19 Medikamente im Alter Absenkung des Anteils älterer Patienten, die dauerhaft mindestens 6 Wirkstoffe und davon mindestens 1 inadäquates Arzneimittel (z.B. Priscus) erhalten.
20 Antibiotika/
Fluorchinolone
Absenkung der Verordnungsmenge (DDD) je 1000 Versicherte unter anderem zur MRSA-Vorbeugung:
- zurückhaltende Verordnung von Antibiotika
- Reduzierung der Reserveantibiotika (z.B.Gyrasehemmer)
21 Biosimilars (auch in Rezepturen) Vorrangige Verordnung von preisgünstigen Biosimilars (auch bei unterjährigem Markteintritt wie z.B. Natalizumab, Tocilizumab)
22 Aut-idem-Austausch grundsätzlich zulassen Aut-idem Ausschluss nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen
23 Wirkstoffe, die die frühe Nutzenbewertung durchlaufen haben Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung beachten
24 Protonenpumpeninhibitoren (PPI) PPI nur indikationsgerecht und gemäß AM-RL einsetzen. Absenkung der DDD je Versicherter auf das Niveau der GKV West.
25 Hormonelle Kontrazeptiva Vorrangige Verordnung von risikoärmeren Kontrazeptiva
26 Verbandmittel KVWL InVo „Rationale und günstige Verordnung von Verbandstoffen“ beachten
27 Antidiabetika außer Insulin Evidenzbasierter Einsatz generisch verfügbarer Wirkstoffe und Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung beachten
28 Orale Antikoagulantien (OAK) Gut auf Vitamin-K-Antagonisten (VKA) eingestellte und einstellbare Patienten vorrangig mit VKA wie z.B. Phenprocoumon behandeln
29 Hyposensibilisierung Einsatz von zugelassenen Therapieallergenen bei Neueinstellungen, sofern zugelassene Therapieallergene in gleicher Darreichungsform zur Verfügung stehen
30 Verordnung von Cannabis Vorrangige Verordnung von Fertigarzneimitteln oder standardisierter Zubereitungen / bitte ggf. Genehmigungsverfahren beachten

 

Zusatzinformationen zu den bisherigen Vereinbarungen

Arzneimittelvereinbarung

Die aktuelle Arzneimittelvereinbarung der KVWL plus Anlagen finden Sie unter Rechtsquellen und Verträge der KVWL

Ansprechpartner

Arzneimittel / Sprechstundenbedarf

0231 94 32 39 41

Heilmittel / Hilfsmittel

0231 94 32 39 47