Verordnung

Arzneimittelvereinbarung für Westfalen-Lippe

Vereinbarung 2019 - Sicher verordnen in Westfalen-Lippe

Änderungen in der Übersicht

Fokus weiter auf Biosimilars – Steuerungskonzept weiterentwickelt

Die Steuerung in großen Verordnungsbereichen hat mit Hilfe der Leitsubstanzen und regelmäßiger Information durch die Arzneimitteltrendmeldung 2018 sehr gut funktioniert. Viele Ärzte in Westfalen-Lippe erreichen durch den Einsatz der Leitsubstanzen eine Prüfentlastung.

Im Bereich der Biosimilars haben wir für 2019 die Strategie fortgesetzt, Versorgungs- und Verordnungssicherheit durch den Einsatz dieser Nachahmerprodukte zu schaffen. Daher haben wir die bestehenden Quoten fortgeführt und an die tatsächliche Verordnungsstruktur angepasst.

In den anderen Therapiebereichen haben sich Veränderungen durch Patentabläufe ergeben. Der Lipidsenker Ezetimib hat als Monosubstanz und seit kurzem auch in der fixen Kombination mit Simvastatin den Patentschutz verloren. Es sind lediglich noch einige Fixkombinationen mit anderen Statinen nicht als Generika verfügbar. Hier haben die Vertragspartner Verordnungssicherheit geschaffen, indem nur patentgeschützte Fixkombinationen mit Ezetimib bei der Verordnung weitestgehend vermieden werden sollen, solange sie zu Mehrkosten führen.

Im Bereich der Schmerztherapie stehen ebenfalls Generika für die fixe Oxycodon-Naloxon-Kombination zur Verfügung. Diese Generika tragen zukünftig zur Zielerreichung bei. Wie in der Vergangenheit können alle Ziele ohne Einschränkung der Verordnungsmenge erreicht werden. Der Hintergrund ist lediglich eine strukturelle Entwicklung dahin, dass vorrangig günstige Substanzen eingesetzt werden.

Erstmalige Berücksichtigung von Rabattverträgen

Rabattverträge nehmen nicht nur für Generika, sondern auch für patentgeschützte Präparate einen immer größeren Raum ein. Aktuell sind fast 70% der Tagesdosen und fast die Hälfte der Kosten für Fertigarzneimittel mit einem kassenindividuellen Rabattvertrag belegt. Damit ergibt sich zum einen eine große Intransparenz bei der Auswahl des wirtschaftlichsten Arzneimittels für den Arzt. Zum anderen stellt sich auch bei Leitsubstanzquoten die Frage, inwieweit eine rabattierte Leitsubstanz nicht auch besonders zur Erreichung des Wirtschaftlichkeitszieles beitragen kann. Zur Bedeutung eines Rabattvertrages für Fertigarzneimittel bestehen unterschiedliche Auffassungen zwischen KVWL und den Verbänden der Krankenkassen. Als einen ersten Schritt konnten die Vertragspartner sich darauf einigen, dass bei zwei Zielen die Verordnung rabattierter Arzneimittel zur Zielerreichung beiträgt. Sowohl bei den DOAK als auch bei den LH-RH-Analoga erproben wir in Westfalen-Lippe 2019 eine neue Systematik. Die Verordnung einer rabattierten Nichtleitsubstanz wird zu einem definierten Anteil als Zielerreichung gewertet. Verordnet der Arzt eine Leitsubstanz, die einen Rabattvertrag hat, wirkt sich dies zusätzlich positiv bei der Zielerreichung aus.

Bei der Entscheidung zwischen einer rabattierten Nichtleitsubstanz und einem schon auf Ebene des Bruttopreises günstigen Arzneimittels sollten Sie allerdings bedenken, dass Rabattverträge zwischen Kassen und Pharmaunternehmen in der Zukunft möglicherweise enden, und es dann zu Umstellungsnotwendigkeiten kommen könnte.

Nähere Informationen finden Sie in den Erläuterungen zu den einzelnen Zielvereinbarungen.

Wirtschaftlichkeitsziele nach § 3

Zusatzinformation zu ausgewählten Wirkstoffgruppen der Anlage

Die Leitsubstanz ist als Empfehlung zu betrachten

Nr. Wirkstoffgr. Leitsubst. VO-Anteil %
Wirkstoffklassen - Liste A (quantitative Ziele)
1 Statine und ezetimibhaltige Arzneimittel Nicht generikafähige Originalpräparate inklusive Kombinationen (z.B. Atozet®,Tioblis®) als Mittel der Reserve < 1%
2 ACE-Hemmer und Sartane inkl. Kombinationen ausgenommen Valsartan/Sacubitril Hochpreisige Kombinationen mit Calciumantagonisten (Kosten je DDD > 0,90€) als Mittel der Reserve < 1%
3 Direkte orale Antikoagulantien (DOAK) Preisgünstige DOAK wie z.B. Apixaban, Edoxaban* > 87%
4 BtM-rezeptpflichtige Analgetika** Nicht generische Oxycodon/Naloxon- Kombinationen (z.B. Targin®) und Tapentadol (z.B. Palexia®) als Mittel der Reserve. < 4,5%
5 Bisphosphonate und Denosumab inkl. Kombinationen (Osteoporose) Alendronsäure/ Risedronsäure (generisch) inkl. Kombinationen

> 67%
> 90%
(zugel. Allgemeinmediziner)

6 Gonadotropin-Releasing-Hormon Analoga Preisgünstige Leuprorelinpräparate von Generikaherstellern* > 43% (Kostenanteil)
7 Therapie der MS mit Interferonen, Glatiramer, Teriflunomid, Dimethylfumarat Interferon-Beta 1a (auch pegyliert) als Mittel der Reserve < 20%
8 Prostaglandin-Analoga inkl. Kombinationen mit Timolol in der Glaukomtherapie Generikafähige Prostaglandin-Analoga inkl. Kombinationen mit Timolol > 83%
9 Erythropoetine EPO-Biosimilars gemäß Definition der Bundesrahmenvorgabe > 75%
10 Blutzuckerteststreifen Preisgünstige Teststreifen; Durchschnittspreis max. 0,47€ pro Teststreifen; möglichst Quartalsbedarf auf einem Rezept verordnen  
11 Kurzwirksame Insulin-Analoga Vorrangiger Einsatz von biosimilar verfügbaren kurzwirksamen Insulinen (z.B. Insulin lispro) insbesondere bei Neueinstellungen > 55%
12 Insulin glargin Insulin glargin-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 25%
13 Insulin lispro Insulin lispro-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 10%
14 Adalimumab Adalimumab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 50%
15 Etanercept Etanercept-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 90%
16 Infliximab Infliximab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 90%
17 Follitropin-alfa Follitropin-alfa-Biosimilars > 40%
18 Somatropin Somatropin-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 40%
19 Pegfilgrastim Pegfilgrastim-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 30%
20 Filgrastim Filgrastim-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 85%
21 Rituximab in Rezepturen Rituximab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 85%
22 Trastuzumab in Rezepturen Trastuzumab-Biosimilars, insbesondere vorrangiger Einsatz bei Neueinstellungen > 75%

* Berücksichtigung kassenindividueller Rabattverträge gem. § 3 (3) AMV

** einschließlich Kombinationen von Oxycodon/ Naloxon und Tapentadol ausgenommen Levomethadon sowie alle Ampullen


 

Wirkstoffklassen - Liste B (qualitative Ziele)
23 Medikamente im Alter Absenkung des Anteils älterer Patienten, die dauerhaft mindestens 6 Wirkstoffe und davon mindestens 1 inadäquates Arzneimittel (z.B. Priscus) erhalten.
24 Antibiotika/ Fluorchinolone Absenkung der Verordnungsmenge (DDD) je 1000 Versicherte unter anderem zur MRSA-Vorbeugung:
- zurückhaltende Verordnung von Antibiotika
- Reduzierung der Reserveantibiotika (z.B.Gyrasehemmer)
25 Biosimilars (auch in Rezepturen) rangige Verordnung von preisgünstigen Biosimilars (z.B. Somatropin, EPO, Filgrastim, Pegfilgrastim, TNF-alpha-Inhibitoren, Rituximab, Bevacizumab, Trastuzumab)
26 Aut-idem-Austausch grundsätzlich zulassen Aut-idem Ausschluss nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen
27 Wirkstoffe, die die frühe Nutzenbewertung durchlaufen haben Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung beachten
28 Protonenpumpeninhibitoren (PPI) PPI nur indikationsgerecht und gemäß AM-RL einsetzen. Absenkung der DDD je Versicherter auf das Niveau der GKV West.
29 Hormonelle Kontrazeptiva Vorrangige Verordnung von risikoärmeren Kontrazeptiva
30 Verbandmittel Die Preisinformation zu Verbandmitteln beachten
31 Antidiabetika außer Insulin Evidenzbasierter Einsatz generisch verfügbarer Wirkstoffe und Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung beachten
32 Orale Antikoagulantien (OAK) Gut auf Vitamin-K-Antagonisten (VKA) eingestellte und einstellbare Patienten vorrangig mit VKA wie z.B. Phenprocoumon behandeln
33 Hyposensibilisierung KVWL InVo Hyposensibilisierung insbesondere bei Neueinstellungen beachten

 

Zusatzinformationen zu den bisherigen Vereinbarungen

Arzneimittelvereinbarung

Die aktuelle Arzneimittelvereinbarung der KVWL plus Anlagen finden Sie unter Rechtsquellen und Verträge der KVWL

Ansprechpartner

Arzneimittel / Sprechstundenbedarf

0231 94 32 39 41

Heilmittel / Hilfsmittel

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