Presse

Honorarverhandlungen zwischen Ärzten und Krankenkassen in Westfalen-Lippe – KV Westfalen-Lippe fordert angemessene Finanzierung der ambulanten Versorgung

"Sind die Patienten in Westfalen weniger wert?"

Dortmund, den 05.06.2013

Für die ambulante Versorgung der Patienten steht in Westfalen-Lippe bundesweit das geringste Finanzvolumen zur Verfügung. So wendeten die Krankenkassen in Westfalen-Lippe beispielsweise im Jahr 2012 im Schnitt ca. 325 Euro für die ambulante Versorgung eines gesetzlich Versicherten auf. Der Bundesdurchschnitt lag mit 352 Euro hingegen deutlich höher. In der Region Berlin waren es sogar 391 Euro pro Versicherten, die dort von den Krankenkassen zur Verfügung gestellt wurden.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) kämpft dafür, diese Benachteiligung der westfälischen Patienten und Ärzte zu beseitigen. Derzeit laufen die entsprechenden Verhandlungen zwischen der KVWL und den Krankenkassen in Westfalen-Lippe und werden am kommenden Dienstag, den 11. Juni 2013, fortgesetzt. "Leider zeichnet sich ab, dass die Krankenkassen auch weiterhin nicht bereit sind, die Finanzmittel für Westfalen-Lippe zu erhöhen. Das heißt, sie zementieren die ‚rote Laterne' Westfalen-Lippes und erweisen unserer Region damit einen Bärendienst", sagt der 2. Vorsitzende der KVWL, Dr. Gerhard Nordmann.

Nordmann: "Es geht in den Verhandlungen nicht primär um die Höhe ärztlicher Honorare, sondern um die Höhe der Finanzmittel, aus denen meine Kolleginnen und Kollegen die Patienten in Westfalen-Lippe versorgen können. Es ist einfach nicht gerecht, wenn Krankenkassen, die in zwei Bundesländern vertreten sind – wie z.B. die AOK NordWest – mit 340 Euro in Schleswig-Holstein mehr Geld für die ambulante Versorgung ihres Versicherten bereitstellen, als mit den 325 Euro pro Versicherten-Kopf hier in Westfalen-Lippe. Ich appelliere an die Krankenkassen, diese Ungleichbehandlung zu beenden. Oder sind die Patienten in Westfalen weniger wert?"

Dass das niedrige Finanzvolumen in Westfalen-Lippe eine Gefahr für die ambulante Versorgung darstellt, erfüllt dabei nicht nur die KVWL mit großer Sorge. Auch die ärztlichen und psychotherapeutischen Berufsverbände und freien Verbände in Westfalen-Lippe forderten geschlossen den Verhandlungsführer der Krankenkassenseite, den Vorstandsvorsitzenden der AOK NordWest, Martin Litsch, in einem offenen Brief auf, seine Blockadehaltung aufzugeben und endlich das unterdurchschnittliche Vergütungsniveau ärztlicher Leistungen in Westfalen-Lippe zu beenden. Der derzeitige Finanzrahmen führe zu einem klaren Wettbewerbsnachteil im Kampf um junge Mediziner und verhindere, dass immer mehr Ärzte in Westfalen-Lippe einen Praxisnachfolger finden. Für Patienten bedeute dies oft nicht nur längere Anfahrtswege zu den verbleibenden Arztpraxen, sondern führe auch zu immer längeren Wartezeiten auf einen Behandlungstermin.

"Junge Ärzte, die sich in einer eigenen Praxis für 20 oder auch 30 Jahre in Westfalen-Lippe niederlassen möchten, haben selbstverständlich auch ihre Verdienstmöglichkeiten im Blick. Wenn wir hier nicht umgehend eine Versorgungs- und Finanzfairness herstellen, werden sich leider immer mehr Ärzte gegen Westfalen und stattdessen für andere Bundesländer entscheiden. Dies will und kann ich nicht einfach kampflos hinnehmen", so Nordmann.

Nach aktuellen Berechnungen der KVWL sind von den knapp 4.900 Hausärzten in Westfalen-Lippe rund 40 Prozent bereits über 60 Jahre alt. In den nächsten Jahren werden demnach rund 2.000 Hausärzte einen Praxisnachfolger suchen. Bei den durchschnittlich etwa 1.000 Fällen im Quartal, die z.B. ein Hausarzt in Westfalen-Lippe durchschnittlich behandelt, müssten sich dann etwa 2 Millionen Patienten eine neue hausärztliche Betreuung suchen.

Ansprechpartner für die Presse

Jens Flintrop
(Pressesprecher)

0231 94 32 32 66
0231 94 32 31 33

E-Mail

Mona Vosseler
(Stellv. Geschäftsbereichsleitung Kommunikation)

0231 94 32 35 73
0231 94 32 31 33

E-Mail