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KVWL kritisiert Einführung von Terminservice-Stellen – Mehrkosten und Zeitaufwand als Folgen für Ärzte

Aktionismus des Gesetzgebers

Dortmund, den 05.11.2014

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) kritisiert die von der Bundesregierung geplante Einführung von Terminservicestellen. Diese Einrichtungen werden nach Ansicht der Körperschaft nicht zu einer schnelleren fachärztlichen Versorgung führen. Stattdessen erhöhen sie die bürokratischen Aufwände sowohl bei Haus- und Fachärzten – dies zeigt eine erste Schätzung der KVWL. "Im Ergebnis werden die geplanten Servicestellen den Ärzten vor allem Geld und Zeit kosten. Den Niedergelassenen werden per Gesetz zusätzliche Dokumentationspflichten auferlegt und die KVen müssen höhere Personalkosten stemmen", sagt Dr. Thomas Kriedel, KVWL-Vorstandsmitglied. "Es kann nicht sein, dass die Vertragsärzte aus eigenen Mitteln eine populistische Idee des Gesetzgebers finanzieren müssen."

Nach ersten Analysen der KVWL werden in Westfalen-Lippe insgesamt knapp 1,7 Mio. fachärztliche Überweisungen pro Quartal ausgestellt. Kriedel: "Wenn davon auch nur 10% künftig über eine Servicestelle der KVWL vermittelt werden müssen, entsteht für uns ein zusätzlicher jährlicher Personal-Mehraufwand von mehr als 3,6 Mio. Euro. Die finanziellen Dimensionen sind immens, spielen aber bis dato in der öffentlichen Diskussion überhaupt keine Rolle."

Neben den finanziellen Kosten entstehen den Niedergelassenen nach Einschätzung der KVWL darüber hinaus weitere zeitliche Aufwände. Denn es ist davon auszugehen, dass beispielsweise überweisende Hausärzte die im Gesetzentwurf formulierte "medizinische Dringlichkeit" einer Überweisung feststellen und entsprechend dokumentieren müssen. Die Fachärzte wiederum müssen den KVen etwaige freie Kapazitäten melden. Kriedel: "Ob dies dann telefonisch oder via Software, wöchentlich oder monatlich laufen soll, ist völlig unklar. In jedem Fall bringt der Regierungsplan einen großen Zeitaufwand mit sich, der den Ärzten dann am Ende bei der Patientenbehandlung fehlt."

Die KVWL betreibt im Rahmen ihrer Entbürokratisierungs-Projekte so genannte Formularlabore, in denen der Dokumentations-Aufwand zukünftig evaluiert werden soll. Nach ersten Befragungen von im Landesteil Westfalen-Lippe niedergelassenen Vertragsärzten ist allerdings schon heute damit zu rechnen, dass ein jährlicher Mehraufwand von über 70.000 Stunden in den westfälisch-lippischen Arztpraxen anfallen wird. Mit den geplanten Servicestellen werde letztlich nicht die Versorgung, sondern einzig die Bürokratie-Maschinerie ausgebaut, so Kriedel. "Angesichts der Beteuerungen des Gesetzgebers, die vertragsärztliche Tätigkeit von unnötigen Belastungen zu befreien, ist die Einführung der geplanten Service-Stellen blanker Hohn."

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