Presse

Gemeinsame Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe

Gut versorgt in Westfalen-Lippe

Die Zukunft der ambulanten Medizin im ländlichen Raum

Dortmund, 3. September 2015

Ärztemangel? Überalterung der Bevölkerung? Keine Perspektive auf dem Land? Noch ist die medizinische Versorgung in Westfalen-Lippe auch in der Fläche sichergestellt. Doch die ambulante Medizin im ländlichen Raum steht vor großen Herausforderungen: So sind in Westfalen-Lippe aktuell bereits 1.757 der insgesamt 4.977 Hausärzte älter als 60 Jahre und die Nachwuchsgewinnung gestaltet sich schwierig.

Die Bundesregierung hat sich klar positioniert. Ingrid Fischbach, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit: „Wir wollen, dass auch in Zukunft jeder Bürger, unabhängig von sozialem Status und Wohnort, einen guten Zugang zur medizinischen Versorgung hat. Dazu gehört auch, Unterversorgung in ländlichen Bereichen vorzubeugen, bevor sie entsteht. Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz haben wir anknüpfend an die bereits mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz vorgesehenen Maßnahmen eine Reihe an Möglichkeiten geschaffen, die es Ärzten erleichtert, dort tätig zu sein, wo sie für eine gute Versorgung der Patienten benötigt werden. Wichtig ist es aber auch, den Zugang zum Medizinstudium neu zu gestalten und die Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass sich wieder mehr Ärzte für den Landarztberuf entscheiden.“

Bei den mehr als 100 Gästen der Veranstaltung „Gut versorgt in Westfalen-Lippe – Die Zukunft der ambulanten Medizin im ländlichen Raum“, zu der die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und die Techniker Krankenkasse (TK) ins Dortmunder Ärztehaus geladen hatten, stieß dieses Statement auf große Zustimmung.

„Die meisten jungen Ärzte wollen heute nicht mehr als Einzelkämpfer auf dem Land praktizieren und Tag und Nacht für ihre Patienten erreichbar sein“, konstatierte Dr. Gerhard Nordmann, 2. Vorsitzender der KVWL – „aber das müssen sie auch gar nicht!“ Inzwischen gebe es einen breiten Strauß von Möglichkeiten, in der ambulanten Versorgung tätig zu werden. Nordmann: „Der Arzt kann mit Kollegen kooperieren, sich anstellen lassen oder auch mit reduzierter Stundenzahl tätig sein, um nur einige Beispiele zu nennen.“ Auch sei die Residenzpflicht längst aufgehoben. Oft kenne der Ärztenachwuchs diese Optionen aber nicht. Die KVWL habe deshalb bereits im Herbst 2014 eine große Nachwuchskampagne gestartet. Problematisch sieht der 2. KVWL-Vorsitzende in diesem Zusammenhang die Zugangsbedingungen zum Medizinstudium: „Das Auswahlverfahren ist zu stark auf die Abiturnote fokussiert. Vielen potenziell hervorragenden Hausärzten wird so der Zugang zum Beruf verbaut.“

Für Prof. Dr. Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom an der Universität Bielefeld, ist die drohende Unterversorgung im ländlichen Raum „nicht nur eine Frage der reinen Arztzahlen und auch nicht vorrangig eine Frage der Honorierung“. Auf Dauer sei die Dezentralität der Versorgung nur im Bereich der Grundversorgung garantierbar, so Greiner: „Deshalb ist das Aufbrechen sektoraler Grenzen auf dem Land unumgänglich. Ländliche Krankenhäuser müssen sich zu Gesundheitszentren für Primär- und Langzeitversorgung weiterentwickeln.“

Obwohl die flächendeckende medizinische Versorgung noch gewährleistet ist, sind viele Patienten schon jetzt in Sorge, dass sie zukünftig länger auf Arzttermine warten müssen und weite Strecken für eine medizinische Behandlung zum Alltag gehören werden. Eine Umfrage der TK zum Meinungspuls Gesundheit 2014 zeigt, dass fast jeder Zweite eine sinkende medizinische Versorgungsqualität befürchtet. „Wir brauchen intelligente Lösungen, um dieser Herausforderung gewachsen zu sein“, sagte Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung in NRW. Nach Ansicht der TK bietet auch die Telemedizin eine Chance. „Wir sehen hier große Potentiale für die Versorgung im ländlichen Raum. Ein Beispiel: Mittels Videokonferenz kann der Hausarzt zusammen mit seinem Patient zeitnah einen Fachspezialisten kontaktieren. Dabei können dann gemeinsam alle medizinischen Aspekte in Echtzeit besprochen und Behandlungspläne festgelegt werden“, so van Aalst. Ein Arztgespräch per Video ist laut TK-Meinungspuls bereits für jeden Dritten eine Option. „Gerade in strukturschwachen Regionen können Patienten so lange Wege vermeiden und schnell Zugang zu einem Spezialisten bekommen.“

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