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Der „Tag der Patientensicherheit“ bei der KVWL – über den Aufbau einer Sicherheitskultur in den Arztpraxen

Patientensicherheit: Gute Absicht allein reicht nicht mehr aus

Dortmund, 16. September 2015

Den Patienten im Rahmen von Diagnostik und Therapie keinen Schaden zuzufügen, ist seit jeher ein übergeordnetes Ziel der Ärztinnen und Ärzte. „Primum non nocere“ (zuerst einmal nicht schaden) heißt es bereits im mehr als 2.000 Jahre alten Eid des Hippokrates, der ersten grundlegenden Formulierung einer ärztlichen Ethik. „Für die heutzutage immer erfolgversprechende, aber auch komplexere und dadurch fehleranfälligere Medizin reicht die gute Absicht allein aber nicht mehr aus“, betont Dr. Wolfgang-Axel Dryden, 1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), anlässlich des ersten internationalen Tages der Patientensicherheit am 17. September. „Zur Prävention von Patientenschäden ist es vielmehr geboten, potenzielle Fehlerquellen in der Arztpraxis frühzeitig zu identifizieren und zu minimieren.“

Die KVWL unterstützt ihre Mitglieder dabei, die Patientensicherheit in den Praxen weiter zu stärken, und hat deshalb bereits heute – Mittwoch ist der traditionelle ärztliche Fortbildungstag – Ärzte und Praxispersonal zum Tag der Patientensicherheit ins Dortmunder Ärztehaus eingeladen. Im Rahmen der Veranstaltung analysieren und diskutieren die mehr als 100 Teilnehmer gemeinsam grundlegende Voraussetzungen einer sicheren Patientenbehandlung. Erfahrene Praktiker und ausgewiesene Experten führen durch die einzelnen interaktiven Workshops.

Im Workshop „Teamarbeit und Kommunikation“ lernen die Ärzte und Praxismitarbeiter beispielsweise, wie durch Verbesserungen in der Teamstruktur und bei der Kommunikation untereinander die Qualität der Teamarbeit und somit auch die Patientensicherheit in der Praxis gestärkt werden kann. „Der offene Umgang mit eigenen Fehlern gehört zu den sensibelsten Führungsaufgaben“, sagt KVWL-Vorstand Dryden: „Aber nur wenn der Praxisinhaber selbst bereit ist, Fehler einzugestehen, kann in der Praxis eine Fehlerkultur im Sinne der Patientensicherheit gedeihen. Wenn Mitarbeiterinnen sich nicht trauen, einen Fehler einzugestehen, so wird die Fehlerquelle nicht beseitigt – was für den Patienten mit Gefahren verbunden sein kann.“

Ausgebucht ist auch der Workshop „Dringlichkeitsentscheidungen treffen und Notfälle erkennen“. Verschiedene Studien zeigen, dass eine unstrukturierte Dringlichkeitsabschätzung in den Arztpraxen mit einem erhöhten Fehlerpotenzial einhergeht. Im Workshop diskutieren die Teilnehmer strukturelle und organisatorische Maßnahmen, die die Sicherheit der medizinischen Ersteinschätzung in ihren jeweiligen Institutionen stärken können. Mithilfe von Fallbeispielen werden unter anderem Fragen zu den Rahmenbedingungen, zur fachlichen Unterstützung der mit der medizinischen Ersteinschätzung betrauten Gesundheitsfachpersonen oder zur optimalen Gestaltung der Arbeitsumgebung behandelt. „Dabei erhöht eine systematische Ersteinschätzung im Praxisalltag der niedergelassenen Ärzte nicht nur die Sicherheit der Patientenbetreuung“, erläutert Dryden, „sie führt auch zu effizienteren und effektiveren Praxisabläufen.“

Weitere Workshops widmen sich den Themen „Risikomanagement“, „Hygienesicherheit in der Arztpraxis“, „Risikoeinstufung von Instrumenten“ sowie „Sicheres Handeln in kritischen Situationen“. Der modulare Aufbau ermöglicht es den Teilnehmern, den maximalen Nutzen aus der Veranstaltung zu ziehen. Zum Abschluss des Tages kommt es zu einem Dichterwettstreit („Poetry Slam“), bei dem renommierte Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet die Bedeutung des Themas in Versform auf den Punkt bringen. Dryden: „Die Dichter haben alle Freiheiten. Ihr Vortrag kann nachdenklich, witzig oder provozierend sein. Wie einst die Hofnarren sollen die Künstler uns Ärzten den Spiegel vorhalten und zum Nachdenken anregen – ohne dass wir es ihnen übel nehmen.“

„In der ambulanten Versorgung gibt es trotz der Komplexität des Systems, der wachsenden medizinischen Möglichkeiten und der Einführung neuer Versorgungsformen bislang sehr wenige unerwünschte Ereignisse wie Patienten-Verwechselungen oder Medikationsfehler“, betont Dryden. „Unsere heutige Veranstaltung zum Tag der Patientensicherheit trägt dazu bei, dass dies so bleibt.“

 

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