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Ambulante Palliativversorgung – „Faktencheck Gesundheit“ lobt das Modell in Westfalen-Lippe

Oberstes Ziel ist ein würdevolles Sterben in vertrauter Umgebung

Dortmund, 4. November 2015

Die ambulante Palliativversorgung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat bundesweit Vorbildcharakter. Dies geht aus dem aktuellen Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung hervor, der die Versorgungsleistungen für Menschen während der letzten Lebensphase untersucht hat. Demnach stirbt bundesweit fast jeder zweite ältere Mensch in einer Klinik, obwohl die allermeisten Deutschen ihre letzten Lebenstage Zuhause verbringen wollen. Ein Modell in Westfalen-Lippe zeige allerdings auf, wie die ambulante palliative Versorgung mehr Verbreitung finden und so der Präferenz der Menschen, in den eigenen vier Wänden zu sterben, öfter entsprochen werden könne, so die Wissenschaftler.

Bereits im April 2009 hat die KVWL auf Betreiben der westfälisch-lippischen Palliativnetze mit den Krankenkassen eine Vereinbarung zur ambulanten palliativmedizinischen Versorgung im Landesteil geschlossen. „Dabei gab es von Beginn an keine Differenzierung zwischen allgemeiner und spezialisierter ambulanter Palliativversorgung“, erläutert der 2. Vorsitzende der KVWL, Dr. Gerhard Nordmann. Genau das sei entscheidend für die große Akzeptanz des Vertrages bei den Ärzten und den Patienten.

Nordmann: „Unser Modell beruht auf dem Grundsatz, dass der Hausarzt für seinen Patienten auch dann der zentrale Ansprechpartner bleibt, wenn dieser eine palliative Versorgung benötigt. Die koordinierenden Haus- und Fachärzte bleiben deshalb federführend bei der Betreuung ihrer Patienten und werden je nach Krankheitsstadium und Bedarf von einem multidisziplinären Team (unter ärztlicher Leitung) in Form von Beratung bis hin zur überwiegenden Übernahme der Versorgung unterstützt. Kein Arzt muss also Sorge haben, die Kontrolle bei der Behandlung eines langjährigen Patienten abzugeben. Und kein Patient muss fürchten, den direkten Zugang zu seinem Arzt des Vertrauens zu verlieren.“

Der Palliativvertrag in Westfalen-Lippe wird gelebt: Inzwischen betreuen rund 4.000 koordinierende Haus- und Fachärzte sowie etwa 280 qualifizierte Palliativmediziner rund 15.000 schwerstkranke Menschen pro Jahr. Dabei sorgt die große Zahl teilnehmender Ärzte für eine großflächige Abdeckung des Bedarfs in Westfalen-Lippe und stellt zugleich sicher, dass die palliativmedizinische Versorgung für die Patienten und ihre Angehörigen ein niedrigschwelliges wohnortnahes Angebot darstellt. Die kranken Menschen müssen dazu keine Anträge stellen oder Genehmigungsfristen abwarten.

Im Jahr 2014 wurden knapp 20 Prozent der in Westfalen-Lippe verstorbenen Menschen in ihrer letzten Lebensphase im Palliativvertrag betreut. Von diesen eingeschriebenen Patienten konnten mehr als 90 Prozent wunschgemäß bis zum Lebensende zu Hause oder in ihrem Pflegeheim betreut werden.

„Zu viele Menschen müssen heute noch ihre letzten Tage im Krankenhaus verbringen“, sagt Dr. Gerhard Nordmann. „Dabei zeigt unser Modell, dass wir ihnen mit vernetzten Strukturen vor Ort und dem guten Willen aller Beteiligten auch ein Lebensende in häuslicher Geborgenheit ermöglichen können.“

 

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