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Arzneimittelvereinbarung 2016 - Ärzte haften nicht mehr unmittelbar für die Kosten einer Medikation

Patienten profitieren, weil die Regresssorgen der Ärzte sinken

Dortmund, 12. Dezember 2015

„Die Richtgrößenprüfung ist faktisch tot. Und das ist auch gut so“, kommentierte Dr. med. Wolfgang-Axel Dryden, 1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), heute bei der Vertreterversammlung in Dortmund die jüngst mit den Krankenkassen geschlossene Arzneimittelvereinbarung für das Jahr 2016. Mit der neuen Vereinbarung erhielten stattdessen so genannte Leitsubstanzen Bedeutung als Instrument des Regressschutzes. Das sind jeweils die Substanzen, deren Wirksamkeit in einer Arzneimittelgruppe am besten dokumentiert ist.

„Heute müssen Patienten teilweise ihre Medikation erkämpfen, weil der Arzt Sorge hat, seine Arzneimittelbudgets zu verfehlen und dafür in Haftung genommen zu werden“, erläuterte Dryden. Denn überschreitet ein Arzt im jetzigen System den Eurobetrag, der seiner Fachgruppe durchschnittlich pro Patient und Quartal für Arzneimittel zur Verfügung steht, um mehr als 15 Prozent, so wird sein Verordnungsverhalten geprüft. Bei Überschreitung bis 25 Prozent ist eine Beratung vorgeschrieben; darüber droht ihm sogar eine Rückzahlungsverpflichtung, sofern die Überschreitung nicht durch Praxisbesonderheiten gerechtfertigt ist. „Besonders Patienten mit einer teuren Medikation werden daher leider immer wieder zu anderen Ärzten überwiesen. Das ist nun vorbei“, betonte der KVWL-Vorsitzende.

Mit der neuen Vereinbarung erhalte der Arzt ab 2016 Sicherheit bei der Verordnung, könne also sorgenfreier verordnen, so Dryden: „Ein Arzt, der sich mit seiner Verordnungsweise durchgehend an seine Zielvorgaben hält und in den zur Frage stehenden Indikationsgebieten ausschließlich die empfohlene Leitsubstanz verordnet, kann sich sicher sein, wirtschaftlich gehandelt zu haben.“ Wer seine Quoten für die Leitsubstanzen erfülle, gegen den finde künftig keine Richtgrößenprüfung mehr statt.

Mit der nun geschlossenen Arzneimittelvereinbarung habe die KVWL die im Versorgungsstärkungsgesetz verankerte Chance genutzt, über Richtgrößen ablösende Vereinbarungen eine für den Arzt medizinisch nachvollziehbare Steuerungssystematik bei der Arzneimittelverordnung einzuführen. Der Arzt hafte nicht mehr für die Kosten einer Medikation, sondern nur noch für die korrekte Indikationsstellung, die Auswahl des richtigen Wirkstoffs und die richtige Dosierung. „Dies ist ein Meilenstein für die freiheitliche Ausübung des Arztberufs in Westfalen-Lippe und somit auch ein Signal an den ärztlichen Nachwuchs“, unterstrich der KVWL-Vorsitzende. „Das Regressrisiko, von jungen Ärztinnen und Ärzten immer wieder als wichtigstes Argument gegen die Niederlassung aufgeführt, sinkt somit in unserem Landesteil deutlich – nahezu auf den Nullpunkt.“

Dryden lobte die konstruktiven Gespräche mit den Krankenkassen und dankte den Kostenträgern ausdrücklich für ihre Bereitschaft, diesen Paradigmenwechsel – weg von den Richtgrößen, hin zu den Leitsubstanzen – mitzutragen: „Ich bin mir aber auch sicher, dass sich dieser Schritt für die Krankenkassen letztlich rechnen wird.“

 

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