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Digitalisierung des Gesundheitswesens – Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit

eHealth-Gesetz: Ärzte erwarten Planungssicherheit

Dortmund, 18. Dezember 2015

„Die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland wird nur dann zu einem Erfolgsprojekt, wenn eine breite Mehrheit der niedergelassenen Ärzte die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte aktiv unterstützt“, betonte heute Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KVWL, anlässlich der abschließenden Beratung des eHealth-Gesetzes im Bundesrat.

Voraussetzung für die Akzeptanz der neuen Telematikinfrastruktur bei den Ärzten sei jedoch ein hohes Maß an Planungssicherheit für die Arztpraxen. Das betreffe sowohl die Verlässlichkeit der im Gesetz verankerten Termine („hier ist die Industrie in der Pflicht, etwaige Lieferschwierigkeiten bei den Kartenlesegeräten zu überwinden“), als auch die verbindliche Erstattung der den Arztpraxen entstehenden Kosten („wenn die Ärzte die telematischen Anwendungen nutzen sollen, dann muss ihnen auch die dafür notwendige Technik finanziert werden“). Ansonsten habe dieses wichtige Projekt vom Start weg ein Akzeptanzproblem. Elementar sei zudem die Praxistauglichkeit der elektronischen Gesundheitskarte. „Nur wenn die Abläufe in der Arztpraxis durch die neue Karte erleichtert und beschleunigt werden, kann das Projekt Fahrt aufnehmen“, so der KVWL-Vorstand.

Generell befürworte die KVWL den Aufbau einer bundesweiten Telematikinfrastruktur als künftige sektorenübergreifende Datendrehscheibe im Gesundheitswesen, unterstrich Kriedel, der auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der gematik ist. „Ganz klar: Das eHealth-Gesetz fordert und fördert Dienste, die auch von der KVWL angestrebt werden“, sagte Kriedel. Als Beispiele dafür nannte er den eArztbrief, die elektronische Patientenakte, Röntgenkonsile oder auch das Telemonitoring. „Gerade in Westfalen-Lippe, dem Land der Praxisnetze, sehen wir viel Potenzial für solche elektronischen Anwendungen.“

Ob die Praktikabilität, aber auch die Sicherheit und Funktionalität der neuen Telematikinfrastruktur gegeben sind, soll ab Mai 2016 sechs Monate lang unter anderem in 82 Arztpraxen in Westfalen-Lippe getestet werden. Ideen seitens der Politik, diese Testphase zu verkürzen, erteilte Kriedel eine Absage: „Ich möchte einen Test haben, der den Namen verdient. Es muss möglich sein, so viel Zeit und Know-how in die Tests zu stecken, dass die Frage der Praxistauglichkeit geklärt werden kann.“ Hier gehe Gründlichkeit vor Schnelligkeit.

Kein Verständnis hat der KVWL-Vorstand dafür, dass die Vertragsärzte mit Einführung der elektronischen Gesundheitskarte das Versichertenstammdatenmanagement für Krankenkassen übernehmen sollen, ohne dafür honoriert zu werden: „Das ist ein zusätzlicher Aufwand für die Arztpraxen, der vergütet werden muss. Schlimmer noch: Ärzten, die sich hier verweigern, drohen sogar Honorarkürzungen.“ Hier müsse dringend nachgebessert werden.

Das (nicht zustimmungspflichtige) „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“ durchläuft heute nochmals den Bundesrat und tritt dann am 1. Januar 2016 in Kraft. Es zielt im Wesentlichen darauf ab, die Einführung nutzbringender Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte zu unterstützen. Dabei geht es vor allem darum, Patientendaten schneller und sicherer auszutauschen. Basis dafür ist eine neue Telematikinfrastruktur, die in den nächsten Jahren aufgebaut werden soll. Die erste verpflichtende Anwendung für die Ärzte und Psychotherapeuten ist das Versichertenstammdatenmanagement ab dem 1. Juli 2018.

 

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