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Gemeinsame Pressemitteilung der Abteilung Allgemeinmedizin der medizinischen Fakultät der Ruhr Universität Bochum und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe

Sonderförderung für Praktika in Ostwestfalen-Lippe Medizinstudierende sollen die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum kennen- und lieben lernen

Bochum/Dortmund, 26. August 2016

Überlange Arbeitszeiten, immer in Bereitschaft, Residenzpflicht in einer Kleinstadt mit schlechter Infrastruktur, ein Leben als selbstständiger Einzelkämpfer – viele angehende Ärztinnen und Ärzte haben längst überholte Vorbehalte gegen die Tätigkeit als Landarzt. Damit sich mehr Medizinstudierende als bisher einen realistischen Eindruck von der Tätigkeit als Hausarzt in einer ländlichen Region in Ostwestfalen-Lippe (OWL) verschaffen, fördern die Abteilung Allgemeinmedizin der medizinische Fakultät der Ruhr Universität Bochum (RUB) und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) seit Dezember 2015 gezielt Praktika in ländlichen Hausarztpraxen im Regierungsbezirk Detmold.

So unterstützt die KVWL Medizinstudierende der RUB bei Hospitationen (2,5 Tage im ersten Studienabschnitt) pauschal mit 150 Euro plus 100 Euro für anfallende Fahrt- und Übernachtungskosten. Bei einem Blockpraktikum (2 Wochen im klinischen Studienabschnitt) beträgt der Förderbetrag pauschal 300 Euro plus 200 Euro für Fahrt- und Übernachtungskosten. Gefördert werden Hospitationen und Blockpraktika in ländlichen Gemeinden im Regierungsbezirk Detmold, dem einzigen Regierungsbezirk in Westfalen-Lippe ohne eigene medizinische Fakultät. Die RUB wiederum weitet ab dem Wintersemester 2016/2017 die klinische Ausbildung für die Medizinstudierenden nach OWL aus: Zunächst 60 Studierende werden dann direkt am neuen Standort Minden betreut. Gemeinsames Ziel von RUB und KVWL ist es, die hausärztliche Versorgung in Ostwestfalen-Lippe mittel- und langfristig zu sichern.

Inzwischen sind erste Erfolge der neuen Sonderförderung für Praktika in Ostwestfalen-Lippe sichtbar: So stieg die Zahl der Hospitationen in Hausarztpraxen in kleineren OWL-Gemeinden von 4 im Jahr 2015 auf 39 im Jahr 2016, die Zahl der Blockpraktika erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 3 auf 8. "Dazu hat neben der finanziellen Förderung der Studierenden sicher auch beigetragen, dass wir über Informationsveranstaltungen vor Ort mehr Hausärzte motivieren konnten, solche Praktikumsplätze anzubieten", erklärt Prof. Dr. med. Herbert Rusche, Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin der medizinischen Fakultät der RUB. Die Rückmeldungen der Studierenden nach den Hospitationen und Blockpraktika seien durchweg positiv, berichtet Prof. Rusche: "Die Beziehung zum betreuenden Arzt ist bei diesen Praktika meist besonders eng und intensiv. So bekommen die angehenden Ärzte hautnah mit, wie vielfältig und vor allem auch bereichernd die Tätigkeit als Hausarzt ist – besonders in einer ländlichen Region."

"Die KVWL hat ein großes Interesse daran, dass möglichst viele Medizinstudierende das echte Leben als niedergelassener Arzt in einer ländlichen Region kennen lernen", betont Dr. Gerhard Nordmann, 2. Vorsitzender der KVWL, – "denn die meisten werden es lieben." Die Zeiten, in denen ein Landarzt als Einzelkämpfer rund um die Uhr vor Ort für die Patienten da sein müsse, seien längst vorbei. Heute gebe es vielfältige Möglichkeiten, in der ambulanten Versorgung tätig zu werden, erläutert Dr. Nordmann: "Der Arzt kann mit Kollegen kooperieren, sich anstellen lassen oder auch in Teilzeit tätig sein. Zudem gibt es keine Residenzpflicht mehr. Der Arzt kann also auch in einer nahe gelegenen größeren Stadt leben, wo es ein breiteres kulturelles Angebot und mehr Schulformen gibt; oder auch mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für den Partner." Mit der Notfalldienstreform im Jahr 2011 sei zudem die Zahl der Bereitschaftsdienste gerade für die Ärzte in ländlichen Regionen deutlich gesunken.

"Ich muss zugeben, dass ich Vorurteile gegen die Tätigkeit als Hausarzt in einer ländlichen Region hatte. Das Leben des Landarztes, wie man es aus der Fernsehserie kennt, wäre auch nichts für mich", sagt Orsino Michels, der sein Blockpraktikum in Hille absolvierte, einer kleinen Gemeinde im Mindener Land. "Jetzt weiß ich, dass die Realität anders aussieht, und ich kann mir heute gut vorstellen, später als Arzt in einer Kleinstadt zu praktizieren. Ich hätte mein Praktikum aber wohl in Bochum gemacht, wenn mich nicht die finanzielle Förderung aufs Land gelockt hätte."

 

 

Pressekontakt:

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