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Ärzte in Westfalen-Lippe verordnen weniger Reserveantibiotika als Bundesdurchschnitt

Dortmund, 19.03.2019

Die Wintermonate sind mit ihrem wechselhaften, nasskalten Wetter die klassische Erkältungs- und Grippezeit. Wer sich gegen die „echte“ Grippe impfen lässt, kann sich zumindest gegen eine Ansteckung mit dem Influenzavirus schützen. Hat es einen aber doch erwischt, glauben viele Patienten mit einem Antibiotikum das Mittel der Wahl gegen die lästigen Beschwerden gefunden zu haben. „Leider ist das ein Irrglaube, der sich immer noch sehr hartnäckig hält“, weiß Dr. Wolfgang-Axel Dryden, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

Denn Antibiotika wirken nur bei bakteriellen Infektionen, nicht aber bei Virusinfektionen wie z.B. einer Grippe. Ein zu häufiger und nicht indizierter Einsatz von Antibiotika kann dementsprechend Resistenzen gegen bestimmte Krankheitserreger begünstigen – das Antibiotikum wirkt also nicht mehr. „In diesem Fall kommen sogenannte Reserveantibiotika zum Einsatz, die allerdings nur in Ausnahmefällen und bei schweren Erkrankungen eingesetzt werden sollten, um die Wirksamkeit dieser Präparate nicht zu gefährden“, erklärt Allgemeinmediziner Dr. Dryden. „In Westfalen-Lippe verzeichnen wir hier glücklicherweise eine positive Entwicklung: In den letzten fünf Jahren haben die westfälisch-lippischen Ärzte anteilig an allen verschriebenen Antibiotika insgesamt weniger Reserveantibiotika verordnet als im Bundesdurchschnitt“, erklärt Dr. Dryden. So liegt der Anteil der verordneten Reserveantibiotika in der bundesweiten Betrachtung bei rund 10,4 Prozent, in Westfalen-Lippe sind es hingegen rund 8,7 Prozent. Der allgemeine Trend zu einem nachhaltigen Rückgang bei der Verordnung von Reserveantibiotika wird in Westfalen-Lippe somit noch verstärkt. „Das ist natürlich besonders erfreulich und zeugt von einem verantwortungsbewussten Einsatz dieser wichtiger Arzneien in unserem Landesteil“, betont Dr. Dryden.

Um den Ärzten einen Überblick über die Art und Häufigkeit ihrer verordneten Antibiotika sowie einen Vergleich mit ihren Kollegen in der Region zu ermöglichen, hat die KVWL im vergangenen November erstmalig auch ein Antibiotika-Reporting an alle Allgemeinmediziner, Kinder- und Jugendärzte, Gynäkologen, HNO-Fachärzte sowie Urologen in Westfalen-Lippe verschickt. „Mit dem Antibiotika-Reporting möchten wir unseren Ärzten eine Orientierungshilfe anbieten und sie dafür sensibilisieren, ihre Antibiotikaverordnungen kritisch zu prüfen“, erklärt Allgemeinmediziner Dryden. Aber: „Unser Ziel ist es nicht, die Antibiotikaverordnungen in Westfalen-Lippe pauschal zu senken. Wer ein Antibiotikum aus medizinischen Gründen benötigt, muss dies auch erhalten. Unser Reporting kann aber dazu beitragen, das Verordnungsverhalten der Ärzte zu optimieren, ganz unabhängig davon, wie diese Optimierung aussieht“. Die Resonanz der westfälisch-lippischen Ärzte zum ersten Antibiotika-Reporting war insgesamt sehr positiv. Auch bei anderen regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen ist das Reporting auf großes Interesse gestoßen, sodass sich ähnliche Angebote zukünftig ebenfalls in anderen Bundesländern etablieren könnten.

 

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(Pressesprecherin der KVWL)

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