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Steuern oder gesteuert werden –
KVWL-Jahreskongress widmet sich Patientensteuerung im TSVG

Dortmund, 23.09.2019

Schnellere Terminvermittlung, kürzere Wartezeiten und jede Woche fünf zusätzliche Sprechstunden: Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hat in den vergangenen Monaten für viel Wirbel im Gesundheitswesen gesorgt. „Statt Ansätze zu finden, die beschränkten Ressourcen in der ambulanten Versorgung effektiver zu nutzen, wird mit dem TSVG lieber versucht, aus dem System noch mehr Leistung herauszupressen“, so die Einschätzung von Dr. Gerhard Nordmann, 1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), beim Kongress „Patientensteuerung: Was bringt das TSVG?“ am vergangenen Freitag im Dortmunder Ärztehaus. Die Veranstaltung war mit mehr als 150 Teilnehmern ausgebucht und brachte auf diese Weise noch einmal zum Ausdruck, wie relevant das Thema Patientensteuerung im Versorgungsalltag ist.

„Meiner Meinung nach können Gebühren im Gesundheitswesen, wie beispielsweise die 2013 wieder abgeschaffte Praxisgebühr, eine sinnvolle, steuernde Wirkung entfalten. Das TSVG verstärkt allerdings eher die Anspruchshaltung der Patienten und es bleibt weiterhin der Kompetenz des Einzelnen überlassen, wo er mit seinem Gesundheitsproblem im System andockt, welche Ressourcen er beansprucht“, sagte Dr. Nordmann.

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), nahm in seinem Impulsvortrag vor allem die Steuerungspotenziale im Bereich der Notfallversorgung in den Blick: „Das KV-System hat innovative und umfassende Vorschläge gemacht, wie die Notfall- und Akutversorgung reformiert werden kann. Uns geht es darum, die immer knapper werdende Ressource Arztzeit mit den Bedarfen der Patienten sinnvoll übereinzubringen.“

Wie Patientensteuerung regional bereits funktionieren kann, zeigen zwei Konzepte aus Baden-Württemberg. So stellte Falk Lingen, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, das telemedizinische Modellprojekt „docdirekt“ vor. Das PORT Gesundheitszentrum Schwäbische Alb Hohenstein wurde von Prof. Dr. Barbara Steiner präsentiert, die Koordinatorin des Projekts ist. Die Abkürzung PORT steht dabei für „Patientenortientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung“.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit Dr. Hendrik Oen (Leiter der KVWL-Bezirksstelle Münster), Dirk Ruiss (Leiter der NRW-Landesvertretung des Verbands der Ersatzkassen e.V. (vdek)), Katharina Benner (Geschäftsbereichsleiterin Engagement, Selbsthilfe, Gesundheit bei Der Paritätische in NRW) sowie Prof. Dr. Barbara Steiner (Koordinatorin des PORT Gesundheitszentrums Schwäbische Alb Hohenstein).

„Mit dem TSVG hat der Gesetzgeber den Kassenärztlichen Vereinigungen und damit den Vertragsärzten neue, umfassende Aufgaben, auch in Bezug auf die Steuerung der Patienten, auferlegt. Wie sich die neuen Regelungen genau auf den Praxisalltag auswirken und ob sie die Fehlinanspruchnahme ärztlicher Leistungen nicht sogar weiter verstärken, bleibt abzuwarten“, so das Fazit des KVWL-Vorstandsvorsitzenden Dr. Gerhard Nordmann.

Dr. Stephan Hofmeister und Dr. Gerhard Nordmann
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (links) und Dr. Gerhard Nordmann, 1. KVWL-Vorstandsvorsitzender (rechts).

 

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