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„Brauchen wir Gesundheitsregionen und Praxisnetze?“ – KVWL-Vorstand zum neuen Regionalversorgungs-Anlauf der Ampel-Koalition

Schrage fordert Reform des Gesundheitswesens: „Ran an die Strukturen!“

Dortmund/Köln, 03.05.2022. „Sind regionale Versorgungskonzepte der Schlüssel zur Zukunft?“ hieß es am heutigen Dienstag (3. Mai) im Rahmen einer Podiumsdiskussion beim Gesundheitskongress des Westens (GdW) in Köln. Und was muss sich verbessern, damit diese Regionalkonzepte ihre Chance bekommen? Diese Fragen beantwortete Dr. Volker Schrage mit Blick auf Praxisnetze und Gesundheitsregionen. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVWL vertrat hierbei die Positionen des ambulanten Sektors. Schrage nahm Stellung zum neuen Anlauf der Ampel-Koalition, die ambulante Medizin durch Gesundheitsregionen zu verbessern und solche innovativen Versorgungsformen zu stärken: „Gesundheitsregionen mit ihrer regional zwischen allen Beteiligten abgestimmten Versorgung zu stärken, ist eine sehr gute Idee!“

Vorreiter-Mut und -Frust

Schrage zielte auf die Vorreiter-Rolle der Niedergelassenen ab: „Ärzte und Psychotherapeuten haben in vielen Regionen in Westfalen-Lippe seit Beginn der 1990er-Jahre mutig vorgelegt und bislang 24 anerkannte Praxisnetze gegründet. Dort engagieren sich die Niedergelassenen und ihre Teams aktiv für die Fortentwicklung des regionalen Versorgungsangebots.“ Schrage weiter: „Alle bisherigen Initiativen haben allerdings den Frust gemeinsam, dass es zwar viele gute Ideen gab, die zum Teil auch in erfolgreichen Modellprojekten umgesetzt wurden. Sie sind am Ende aber nur selten in dauerhafte regionale Verträge und schon gar nicht in die Regelversorgung übernommen worden.“

Nägel mit Köpfen

„Jetzt gilt es im Bund, Nägel mit Köpfen zu machen: Gesundheitsregionen müssen, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, endlich in Verträge mit den Krankenkassen münden“, forderte Schrage. Das könne gemeinsamen Initiativen von Ärzteschaft, stationären Einrichtungen und Kommunen eine Perspektive geben. „Eine gute Versorgung der Menschen ist die Kernkompetenz der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten“, unterstrich Schrage und versprach: „In die regionale Optimierung können wir eine Menge einbringen. Die KVWL wird den Dialog mit Praxisnetzen, Gesundheitsregionen und allen Beteiligten weiter suchen und fördern.“

Regionaler Gestalter

„Aber auch die Kassenärztliche Vereinigung selbst war und ist immer ein regionaler Gestalter der Versorgung“, hob Schrage hervor und erläuterte: „Die KV ist der gesetzlich vorgesehene Partner der Krankenkassen für die ambulante Versorgung.“ Als Beispiele für Westfalen-Lippe nannte der KVWL-Vorstand den Palliativvertrag, den Pflegeheimvertrag und die ärztliche Notfallversorgung.

Gesundheitskonferenz: kaum Spuren hinterlassen

In NRW sind zudem seit Ende der 1990er-Jahre staatlich organisierte kommunale Gesundheitskonferenzen gesetzlich verankert. Schrage wies auf deren begrenzte Wirkung hin: „Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet das demokratische und beteiligungsstärkste Gremium, die Kommunale Gesundheitskonferenz, so gut wie keine sichtbaren Spuren im Gesundheitswesen hinterlassen hat.“ Hier fehle es insbesondere an der flächendeckenden Beteiligung der Krankenkassen.

Ran an die Strukturen

„Wir müssen an die Strukturen“ mahnte Schrage die Verantwortlichen in der Politik, „in meinen Augen die wichtigste Forderung in dieser Legislaturperiode.“ Das meine vor allem „eine wirkliche sektorübergreifende Planung von ambulanter und stationärer Versorgung. Wir sollten auch darüber nachzudenken, auf welchen Ebenen Versorgung geplant wird.“ Es gebe Strukturen, die sinnvollerweise bundesweit und einheitlich geplant werden sollten, dazu brauche es sicherlich auch übergreifende Versorgungsstrukturen für Bundesländer oder zumindest Teile davon. „Aber es sollte unbedingt auch ergänzende regionale Steuerungsmöglichkeiten geben“, so Schrages Appell. Zudem müsse klar geregelt werden, wer auf den einzelnen Ebenen mit welchem Mandat mitbestimmen kann.

Gesundheitswesen reformieren

Der stellvertretende KVWL-Chef schlussfolgerte: „Das bedeutet: Wir müssen die Planung der Strukturen in unserem Gesundheitswesen komplett reformieren und auf neue Füße stellen.“ Das sei zugegebenermaßen „eine Herkulesaufgabe für die Politik in diesem Lande“, aber die einzige Chance, regionalen Ideen und Initiativen einen Rahmen zu geben und sie dauerhaft finanziert zu bekommen. Schrage schloss mit der Feststellung: „Wir sind uns sicher: Regionale Planung wird nicht ohne die Vertretung der Basisversorgung, nicht ohne die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten funktionieren.“ – sk

Dr. Schrage beim GdW in Köln
Podiumsdiskussion mit Dr. Volker Schrage (stellv. Vorstandsvorsitzender) beim Gesundheitskongress des Westens

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