Aus für Telefon-AU und Krankschreibung ab dem ersten Tag – KVWL kritisiert Pläne der Bundesregierung: „Mehr Verwirrung statt Klarheit“

schnurloses Telefon liegt auf einer Krankschreibung
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Dortmund, 02.07.2026. – Mit deutlichen Worten kritisiert der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) das am Donnerstag in Berlin vorgestellte „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ der Regierungskoalition.

Das Programm sieht unter anderem die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und eine Pflicht zur Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem ersten Tag vor.

Dr. med. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL
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Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL: „Die Pläne der Bundesregierung fügen sich leider in ein desolates Gesamtbild der vergangenen Wochen und Monate ein. Auf der einen Seite sollen dem ambulanten Bereich durch das GKV-Sparpaket viele Milliarden Euro entzogen werden, auf der anderen Seite will man ein weiteres Bürokratiemonster schaffen, die telefonische Krankschreibung wieder streichen und sorgt durch eine absurde AU-Pflicht ab Tag eins für Millionen zusätzliche Praxiskontakte. Dabei hat Bundeskanzler Friedrich Merz vor einigen Wochen noch beklagt, dass die Menschen zu oft zum Arzt gehen. Das passt nicht zusammen! Damit zeigt die Politik auch, dass sie den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern misstraut und sorgt für mehr Verwirrung statt Klarheit. Zudem blendet die Politik die tägliche Versorgungsrealität völlig aus. Ein weiteres Beispiel dafür ist die angedachte Facharzt-Termingarantie im Zuge einer geplanten Primärversorgung. Solche Garantien müssen zwingend medizinisch begründet sein und dürfen nicht auf illusorischen Plänen beruhen.“

Anke Richter-Scheer, stellv. Vorstandsvorsitzende der KVWL
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Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVWL und selbst niedergelassene Hausärztin, erklärt: „Die Abschaffung der Telefon-AU wäre fatal, schließlich handelt es sich hierbei nachweislich um ein sinnvolles Instrument, das sich in der Praxis absolut bewährt hat. Wir haben heute schon die Situation, dass die Praxen maximal ausgelastet sind. Fällt die telefonische Krankschreibung weg und wird die AU-Pflicht verschärft, führt das wieder zu noch mehr Bürokratie, die Wartezimmer werden noch voller. Dafür werden die Patientinnen und Patienten sicher kein Verständnis haben – die Debatte dürfen dann die Praxisteams führen. Um es deutlich zu sagen: Wir können uns es schlicht nicht leisten, wertvolle ärztliche Ressourcen für Bagatellerkrankungen zu verschwenden. Dann fehlt uns wertvolle Zeit für Patientinnen und Patienten mit komplexen Krankheitsbildern. Die Politik darf nicht mit der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger spielen.“ -DM

KVWL-Pressestelle