Bundespatientenbeauftragter besucht Kassenärztliche Vereinigung – Stefan Schwartze trifft KVWL-Vorstand

von links: Dr. Volker Schrage, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVWL, Stefan Schwartze (M.), der Patientenbeauftragte der Bundesregierung und KVLW-Vorstand Thomas Müller bei der Besichtigung der digitalen Praxis der KVWL
© KVWL

Dortmund, 22.12.2022. – Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, hat jetzt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Dortmund besucht. Der SPD-Bundestagsabgeordnete aus Ostwestfalen tauschte sich mit Dr. Volker Schrage und Thomas Müller vom Vorstand der KVWL über die derzeitige Lage in den Praxen und weitere aktuelle gesundheitspolitische Themen aus. Schwartze besichtigte auch die „dipraxis“, eine bundesweit einmalige digitale Muster-Praxis.

Stefan Schwartze (48) unterstrich die Gemeinsamkeiten, die sich im Gespräch herausstellten: „Als Patientenbeauftragter setze ich mich auf Bundesebene für ein Gesundheitssystem ein, das die Patienten und ihre individuellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Im Gespräch mit dem Vorstand der KVWL ist deutlich geworden, dass wir gemeinsam das Ziel einer optimalen patientenorientierten ambulanten Versorgung der Bevölkerung verfolgen und wie sich diese aus ärztlicher Sicht gut gestalten lässt. Zusammen haben wir diskutiert, welche Rahmenbedingungen dafür aktuell nötig und wichtig sind.“

Digitalisierung hat Potenzial

Eine stärkere Digitalisierung beispielsweise kann den Praxisalltag erleichtern – mit Vorteilen für die Mitarbeitenden wie für die Patientinnen und Patienten. Vieles funktioniert hier bereits sehr gut, wie Schwartze in der digitalen Musterpraxis „dipraxis“ in Augenschein nehmen konnte. Er betonte: „Die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens hat – wenn sie nutzerorientiert und praxisnah umgesetzt wird –  das große Potential, die Versorgung aller Patientinnen und Patienten zu verbessern und sicherer zu gestalten. Die dipraxis zeigt eindrucksvoll, wie effizient und komfortabel die ambulante Versorgung durch digitale Lösungen sein könnte. Ich danke der KVWL, dass sie hier mit guten Beispiel im Sinne der Patientinnen und Patienten vorangeht“.

Patienten-Zeit sparen, Praxiszukunftsgesetz entwickeln

KVWL-Vorstand Thomas Müller unterstrich: „Die Digitalisierung kann auch Bürgerinnen und Bürgern Zeit und Wege ersparen – wenn sie gut gemacht ist. So sind wir weiterhin bereit, die bundesweite Einführung des E-Rezepts zu begleiten – sobald eine für alle Patientinnen und Patienten geeignete rein digitale Lösung wie die elektronische Gesundheitskarte verfügbar ist.“ Müller erneuerte die Forderung nach einer Förderung des Digitalen: „Das Krankenhauszukunftsgesetz ist richtig und wichtig. Genauso wichtig wäre aber auch ein Praxiszukunftsgesetz, um die Digitalisierung in den Praxen zu fördern.“

Patienten-Versorgung sicherstellen

Thomas Müller stellte zudem heraus:  „Die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten in Westfalen-Lippe sicherstellen – und das kurz-, mittel- und langfristig, das ist unser Auftrag. Gerade in der momentanen Lage mit vielen Infekten in der Bevölkerung ist das eine große Herausforderung, der sich die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte aber – wie schon bei Corona – mit vollem Eifer und bis zur Belastungsgrenze stellen; wir als KVWL unterstützen, wo wir können.“

(Nicht nur) Die Pädiatrie aufwerten

Dr. Volker Schrage, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVWL, nahm hier aktuellen bundespolitischen Bezug: „Es ist eine gute Idee, dass der Bundesgesundheitsminister jetzt vorhat, die Leistungen im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin zu entbudgetieren, damit die Pädiatrie aufgewertet wird und die Kolleginnen und Kollegen dort endlich eine angemessene Vergütung erhalten, auch mit Blick auf die Praxisteams. Das muss aber auch möglichst bald für den hausärztlichen Bereich gelten; schließlich stand dieser Plan schon im Koalitionsvertrag der Ampelregierung.“

„PAs“: Patienten sollen profitieren

Das Thema Delegation ärztlicher Leistungen an Mitarbeitende und die Förderung der Zusammenarbeit durch Einbeziehung medizinischer Berufe in die Patientenbehandlung und
-betreuung stand ebenfalls auf der Gesprächsagenda. Schrage stellte dem Patientenbeauftragten hier das Projekt „Physician Assistants“ vor: „Ärztinnen und Ärzte sollen bestimmte Aufgaben an die PAs delegieren, damit diese sie entlasten können.“ In Deutschland gibt es PAs bisher eher im stationären Bereich; künftig sollen es auch in der ambulanten Versorgung mehr werden, um damit auch dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Wir schauen gerade, wie Physician Assistants effektiv in die Arbeitsabläufe integriert werden können, damit auch die Patientinnen und Patienten bestmöglich davon profitieren“, so Schrage.

Für Patienten-Fragen gerüstet

Schwartze verschaffte sich zudem einen Überblick über Schulungen der KVWL speziell für Medizinische Fachangestellte (MFA). Schrage erläuterte: „Hier bieten wir den Mitarbeitenden in den Arztpraxen Hilfestellung bei allen Fragen rund um Verordnungen für Arzneimittel, für Heil- und Hilfsmittel oder Impfstoffe. So sind die MFAs ganz im Sinne der Patientinnen und Patienten für deren Fragen und fundierte Auskünfte im oft hektischen Praxisbetrieb gut gerüstet. Auch die Übernahme von Beratungsanteilen soll die Ärztinnen und Ärzte entlasten und zu einer Effizienzsteigerung in den Praxen führen.“– sk

INFO: Der Patientenbeauftrage des Bundes

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten – kurz Patientenbeauftragter – wird seit 2004 vom Bundesgesundheitsminister vorgeschlagen und von der Bundesregierung berufen. Stefan Schwartze übt dieses Amt seit Januar dieses Jahres aus. Er vertritt die Belange von Patientinnen und Patienten in allen relevanten politischen Bereichen. Alle gesetzlichen Maßnahmen, die diese Belange berühren, müssen dem Patientenbeauftragten zur Stellungnahme vorgelegt werden. Zudem gehört es zu seinen Aufgaben, die Patientinnen und Patienten auf grundsätzliche Art und Weise über ihre Rechte im Gesundheitssystem zu informieren. Weitere Infos: www.patientenbeauftragter.de

INFO: dipraxis – die Zukunft zum Anfassen

Die innovative Wechselausstellung „dipraxis - die digitale Praxis der KVWL" im Dortmunder Ärztehaus bietet ein bundesweit einmaliges Informationsangebot. Denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die eigene Praxis sinnvoll zu digitalisieren. Vielen Vertragsärzten und -psychotherapeuten fehlen hier allerdings der Überblick und eine helfende Hand, die einen Überblick und Ordnung bringt in den digitalen Dschungel. Die KVWL bietet den Praxisteams in der dipraxis beides. Hier gibt es Digitalisierung zum Ausprobieren und Anfassen. So können Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Fachangestellte (MFA) Online-Terminbuchungen, Videosprechstunden oder eine digitale Voranamnese am Computer testen. Auch die Arbeit mit verschiedenen Praxisverwaltungssystemen (PVS) können die Praxisteams durchspielen. Weitere Infos: www.kvwl.de/dipraxis

KVWL-Pressestelle