GKV-Sparpaket: KVWL warnt vor Kürzungsplänen in der Psychotherapie
Dortmund, 09.07.2026. – Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) warnt im Zuge des milliardenschweren GKV-Sparpakets vor massiven Einschnitten in der Psychotherapie. Bundestag und Bundesrat wollen das Spargesetz am morgigen Freitag final debattieren und beschließen.
Im Zuge zahlreicher Änderungsanträge sieht das GKV-Sparpaket inzwischen auch die Streichung der sogenannten Angemessenheitsprüfung zur Vergütung psychotherapeutischer Leistungen vor. Konkret geht es dabei um Maßstäbe für eine angemessene Vergütung je Zeiteinheit. Dieser gesetzliche Schutzmechanismus soll sichern, dass psychotherapeutische Honorare ein Mindestniveau nicht unterschreiten.
Mit einem offenen Brief, einer bundesweiten Unterschriftenaktion und bundesweitem Protest appellieren das Aktionsbündnis Psychotherapie, die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung und die Bundespsychotherapeutenkammer an die Bundestagsabgeordneten von CDU/CSU und SPD, die kurzfristig eingebrachten Änderungen am Gesetzentwurf nicht zu beschließen. Die KVWL unterstützt diese Forderung ausdrücklich.
Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL: „Sollte es zu diesen geplanten Einschnitten tatsächlich kommen, entzieht der Gesetzgeber den psychotherapeutischen Praxen die wirtschaftliche Existenzgrundlage. Das wird dann zu einem enormen Substanzverlust in der ambulanten Versorgung führen! Die Folge: zahlreiche Praxisaufgaben, weniger Therapieplätze und noch längere Wartezeiten. Diese kurzfristig eingebrachten Änderungspläne sind leider ein weiterer Beleg dafür, dass das gesamte Gesetz handwerklich schlecht gemacht und überhastet zusammengeflickt worden ist. Ein Schnellschuss, unter dem insbesondere auch die Patientinnen und Patienten leiden werden, die auf eine dringende psychotherapeutische Versorgung angewiesen sind. Die Regierungskoalition spielt hier leichtfertig mit der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger.“
Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVWL: „Das gesamte Gesetzgebungsverfahren bestätigt immer mehr, dass die Politik versäumt hat, dies im Vorfeld mit uns abzustimmen. Und dieser Änderungsantrag, der die Psychotherapie mit voller Wucht trifft, setzt dem Ganzen ein Stück weit die Krone auf. Von einem ausgewogenen Sparpaket kann doch längst keine Rede mehr sein, einzelne Fachgruppen werden überproportional stark belastet. Als Selbstverwaltung werden wir uns allerdings nicht auseinanderdividieren lassen, sondern uns im gemeinsamen Schulterschluss gegen diese absurden Sparpläne zur Wehr setzen!“ -DM