„Impfen gehört in ärztliche Hände!“
Tag der Patientensicherheit am 17. September – KVWL-Zentrale leuchtet in Orange
Dortmund, 16.09.2025 – Der morgige Welttag der Patientensicherheit steht in diesem Jahr unter dem Motto „Patientensicherheit von Kind an – eine Investition fürs Leben“. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) wendet sich darum mit einem eindringlichen Impf-Appell an die Öffentlichkeit. Und mit deutlichen Forderungen an die Bundespolitik.
„Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen bilden mit ihrem Impfangebot seit Jahrzehnten eine verlässliche und feste Säule im deutschen Gesundheitswesen. Mit welchem Einsatz und Entschlossenheit sie das tun, hat nicht nur die Corona-Pandemie sichtbar gemacht, sondern wird auch in jeder Grippesaison eindrucksvoll deutlich. Dabei ist die Impfung nicht nur ein kleiner Piks in den Oberarm. Hinzu kommen Impfanamnese, also die Aufklärung und Beratung zur Impfung, der Ausschluss von akuten Erkrankungen und Kontraindikationen sowie bei bestehenden Erkrankungen die Bewertung, ob eine Impfung erfolgen kann. Für all diese Aufgaben ist eine ärztliche Ausbildung unentbehrlich. Kurzum: Das Impfmanagement und damit auch die Durchführung gehören in ärztliche Hände!“, erklärt Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVWL und hausärztliche Internistin.
Impfen sorgt nicht nur für mehr Patientensicherheit
Ein Beispiel aus der kinderärztlichen Versorgung: Seit 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) ab der Geburt einen Antikörper-Wirkstoff zum Schutz vor dem RS-Virus, um schweren Lungenentzündungen vorzubeugen. Seit dem vergangenen Jahr handelt es sich hierbei um eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Burkhard Frase, Pädiater aus Münster und Mitglied der KVWL-Vertreterversammlung: „Die RSV-Prophylaxe war längst überfällig und stellt eine sehr wichtige Maßnahme dar, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Sie trägt nicht nur zu einer erhöhten Patientensicherheit bei. Durch die Immunisierungen laufen Kinderkliniken und pädiatrische Praxen deutlich weniger Gefahr, in den Wintermonaten wegen Atemwegsinfektionen durch RS-Viren überlastet zu werden.“
Erste Analysen zeigen, wie stark die Versorgungsleistung der Pädiater ausfällt. So hat sich die Zahl der RSV-Fälle bei Säuglingen seit der Einführung der passiven Immunisierung mehr als halbiert. Burkhard Frase: „Meine grundsätzliche Botschaft an alle Eltern beim Thema Impfen lautet: Ungeimpft heißt ungeschützt – das sollte allen bewusst sein!“
Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL, fordert derweil eine stärkere Anerkennung der Leistung durch die Praxisteams in Westfalen-Lippe: „Das Thema Patientensicherheit ist seit Jahren in den Grundwerten der KVWL verwurzelt. Ein elementarer Baustein bildet dabei das Impfen. Durch ein breit angelegtes Beratungs- und Informationsangebot erhalten unsere Mitglieder wichtige Erkenntnisse und werden über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten. Mit einem umfangreichen Versorgungsangebot schützen die Praxisteams uns als Gesellschaft vor schweren und möglicherweise tödlich endenden Infektionsverläufen.“
KVWL-Chef: „Impfen muss durch qualifizierte Praxisteams erfolgen“
Auch vor diesem Hintergrund erteilt der KVWL-Chef Plänen, die eine Ausweitung des Impfangebots in Apotheken vorsehen, eine deutliche Absage: „Wir dürfen an dieser Stelle nicht leichtfertig mit der Patientensicherheit umgehen und einen Etikettenschwindel betreiben. Der wirtschaftliche Druck auf die Apotheke vor Ort hat durch den Online-Versandhandel sicher zugenommen. Aber finanzielle Einbußen dürfen nicht auf dem Rücken der Patienten kompensiert werden. Das Impfen muss durch qualifizierte Praxisteams erfolgen. Das sollte auch die Politik erkennen und andere Entwürfe ad acta legen!“
Gleichzeitig begrüßt die KVWL ausdrücklich, dass die Bundespolitik offenbar erkannt hat, dass es seitens der Patienten mehr Eigenverantwortung benötigt, um unnötige Arztkontakte in den Praxen zu reduzieren. Anke Richter-Scheer: „Jedes Modell der Patientensteuerung steht und fällt mit der aktiven Mitwirkung der Patienten. Ohne Akzeptanz und Verantwortungsübernahme funktioniert das beste Steuerungsmodell nicht. Eine unaufgeregte Debatte – wie zuletzt von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken gefordert – begrüßen wir ausdrücklich. Sie ist sogar zwingend erforderlich. Klar ist aber auch: Die ärztlichen Kernaufgaben der Patientenversorgung dürfen nicht weiter ausgelagert werden, um Einnahmeverluste anderer Leistungserbringer auszugleichen. Am Ende muss immer das Wohl des Patienten im Mittelpunkt stehen.“-DM
Patientensicherheit
Die KVWL engagiert sich seit vielen Jahren beim Thema Patientensicherheit. So können die Praxisteams in Westfalen-Lippe beispielsweise auf umfassende Handlungsempfehlung zur Vermeidung von Eingriffsverwechselungen sowie zur Patientenidentifikation zurückgreifen. Darüber hinaus zählt die KVWL zu den Akteuren in verschiedenen Arbeitsgruppen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) und ist Partner des bundesweit einmaligen Bündnisses CIRS NRW. CIRS steht für „Critical-Incident-Reporting-System“ und ist ein Programm, das sich der Weiterentwicklung von Fehlerberichts- und Lernsystemen widmet. Weitere Informationen finden Sie auf der KVWL-Themenseite Patientensicherheit.
KVWL setzt optisches Zeichen
Um auch ein optisches Zeichen für Patientensicherheit zu setzen und den Fokus der Öffentlichkeit auf dieses wichtige Thema zu lenken, erstrahlt das Dortmunder Ärztehaus am Mittwoch, neben weltweit zahlreichen anderen Gebäuden, in Orange.
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Pressemitteilung: „Impfen gehört in ärztliche Hände!“
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Foto: Tag der PatientensicherheitUm auch ein optisches Zeichen für Patientensicherheit zu setzen und den Fokus der Öffentlichkeit auf dieses wichtige Thema zu lenken, erstrahlt das Dortmunder Ärztehaus am Mittwoch in Orange
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Foto: Dr. med. Dirk Spelmeyer Vorstandsvorsitzender
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Foto: Anke Richter-Scheer stellv. Vorstandsvorsitzende
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Foto: Burkhard Frase, Kindetarzt aus Münster und Mitglied der KVWL-Vertreterversammlung