„Sparen: ja – aber bitte nicht am falschen Ende!“

KVWL kritisiert Absenkung der psychotherapeutischen Vergütung – „Unverzichtbarer Beitrag für unsere Gesellschaft“

Anke Richter-Scheer und Dr. med. Dirk Spelmeyer
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Dortmund, 17.03.2026. – Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) kritisiert die Absenkung der Mittel für die psychotherapeutische Versorgung. Den vom Erweiterten Bewertungsausschuss (EBA) gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) getroffenen Beschluss kommentiert die KVWL wie folgt:

Dr. med. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL
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Dr. Dirk Spelmeyer, KVWL-Vorstandsvorsitzender: „Dieser Beschluss ist gesundheitspolitisch ein fatales Signal. Wir Kassenärzte haben gegen die Absenkung gestimmt, konnten den Vorschlag der Krankenkassen aber leider nicht abwenden. Es kann nicht sein, dass etwa die Vergütung im Öffentlichen Dienst der Länder um insgesamt 5,8 Prozent steigen wird und auf der anderen Seite Psychotherapeuten in der ambulanten Versorgung ab dem 1. April 4,5 Prozent weniger verdienen sollen. Das mutet an wie ein Aprilscherz, ist es aber leider nicht. Die Absenkung gefährdet die wirtschaftliche Basis vieler Praxen in der psychotherapeutischen und auch nervenärztlich-psychiatrischen Versorgung – obwohl der Bedarf nach Psychotherapien weiter steigt. In Westfalen-Lippe haben wir in den letzten Jahren viel unternommen, um die Lage psychisch erkrankter Menschen zu verbessern, zum Beispiel gemeinsam mit dem NRW-Gesundheitsministerium durch zusätzliche Psychotherapeuten-Zulassungen. Natürlich müssen die Krankenkassen sparen – aber bitte nicht am falschen Ende, dort, wo wir relativ viel Versorgung für die gezahlte Vergütung bekommen.“

Anke Richter-Scheer, stellv. Vorstandsvorsitzende der KVWL
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Anke Richter-Scheer, stellvertretende KVWL-Vorstandsvorsitzende: „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass diese Nachricht unter den psychotherapeutischen Kollegen Frust und Enttäuschung auslöst. Im Vergleich zu Haus- und Fachärzten erwirtschaften sie ja schon jetzt einen geringeren Ertrag in ihren Praxen – und das bei ähnlichem Arbeitseinsatz und -aufwand. Die psychotherapeutische Versorgung ist eine wichtige Grundlage für die Menschen in Westfalen-Lippe und ganz Deutschland und ein unverzichtbarer Beitrag für unsere Gesellschaft. Kommt es hier zu Lücken, ist die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft bedroht. Wir können uns mit Blick auf die Gesundheit der Patienten nicht leisten, dass sich jetzt wegen dieses Beschlusses womöglich Therapeuten aus der Versorgung zurückziehen und sich Wartezeiten auf Therapiegespräche weiter erhöhen. Die Sparbemühungen dürfen schon gar nicht auf dem Rücken der Menschen mit psychischen Erkrankungen ausgetragen werden.“

Dipl.-Psych. Gebhard Hentschel
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Dipl.-Psych. Gebhard Hentschel

Gebhard Hentschel, Diplom-Psychologe und Mitglied der KVWL-Vertreterversammlung und des Beratenden Fachausschusses Psychotherapie: „Für uns Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten setzt diese Entscheidung in der Tat ein fatales Signal. Schon heute ist die Versorgungssituation für viele psychisch erkrankte Menschen bundesweit und auch hier in Westfalen-Lippe mehr als angespannt, das stellen wir jeden Tag in unseren Praxen fest, wir arbeiten schon lange unter Hochdruck. In dieser Situation die Vergütung ambulanter Psychotherapie abzusenken, ist sowohl fachlich nicht nachvollziehbar als auch gesundheitspolitisch ein klarer Rückschritt. Deshalb unterstütze ich die Prüfung aller rechtlichen Möglichkeiten, gegen diesen Beschluss vorzugehen.“

KVWL-Pressestelle