Wegen Patientensicherheit: „Ärztliche Versorgung gehört nicht in Apotheke oder Drogerie!“
Dortmund, 16.09.2026 – Zum Welttag der Patientensicherheit am 17. September richtet sich der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) mit einer deutlichen Botschaft an die Öffentlichkeit: „Ärztliche Versorgung gehört nicht in die Apotheke oder in die Drogerie! Wer Patientensicherheit gewährleisten will, muss auch dafür sorgen, dass die Behandlung in den Händen der Profis verbleibt – und damit in den Praxen der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen.“
Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL: „Wer ärztliche Versorgung weiter auslagert, der riskiert Menschenleben! Um es klar zu sagen: Diagnostik hat in der Drogerie oder in der Apotheke nichts verloren! Ein Befund ohne eine vernünftige ärztliche Einordnung ist für die Patientinnen und Patienten völlig wertlos. Das hat mit einer guten und effizienten ambulanten Versorgung nichts mehr zu tun! Ja, wir benötigen eine bessere Steuerung der Patientinnen und Patienten – Stichwort Primärarztsystem –, um die Anzahl der unnötigen Arztkontakte zu reduzieren. Allerdings darf die Antwort nicht ein zerstückeltes Versorgungsangebot zweiter Klasse sein. Hier muss die Politik klare Grenzen ziehen!“
Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVWL und hausärztliche Internistin, blickt derweil auf das Impfangebot: „Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen bilden seit Jahrzehnten eine verlässliche und feste Säule im deutschen Gesundheitswesen. Das wird zum Beispiel in jeder Grippesaison eindrucksvoll deutlich. Dabei ist die Impfung mehr als ein kleiner Piks in den Oberarm. Hinzu kommen Aufklärung und Beratung zur Impfung sowie der Ausschluss von akuten Erkrankungen und Kontraindikationen. Bei bestehenden Erkrankungen muss zudem bewertet werden, ob eine Impfung erfolgen kann. Für eine vernünftige Impfanamnese ist eine ärztliche Ausbildung unentbehrlich. Kurzum: Das Impfen gehört in die Praxen!“
Der KVWL-Vorstand fordert eine stärkere Anerkennung der Leistung durch die Praxisteams: „Das Thema Patientensicherheit ist seit Jahren in den Grundwerten der KVWL fest verankert. Einen elementaren Baustein bildet dabei das Impfen. Durch ein breit angelegtes Beratungs- und Informationsangebot erhalten unsere Mitglieder wichtige Erkenntnisse und werden über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten. Mit einem umfangreichen Versorgungsangebot schützen die Praxisteams uns als Gesellschaft vor schweren und möglicherweise tödlich endenden Infektionsverläufen.“
Spelmeyer: „Der eingeschlagene Weg ist ein Irrweg!“
Auch vor diesem Hintergrund erteilt KVWL-Chef Spelmeyer Plänen eine Absage, die eine Ausweitung des Angebots in Apotheken vorsehen: „Wir dürfen an dieser Stelle nicht leichtfertig mit der Patientensicherheit spielen. Diagnostik und Therapie zählen zu den Kernaufgaben des ärztlichen Berufs. Schnelltests und Blutentnahmen haben in der Apotheke nichts zu suchen! Und wer glaubt, dass die Apotheken plötzlich zu einer tragenden Säule der Notfallversorgung werden, der irrt! Patienten sollen mitten in der Nacht nach einer noch geöffneten Apotheke suchen? Das geht völlig an der Versorgungsrealität vorbei! Der wirtschaftliche Druck auf die Apotheke vor Ort hat durch den Online-Versandhandel sicher zugenommen. Aber finanzielle Herausforderungen dürfen doch nicht auf dem Rücken der Patienten kompensiert werden. Das sollte eigentlich auch Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann erkennen und solche absurden Entwürfe ad acta legen. Der eingeschlagene Weg ist ein Irrweg!“
Patientensicherheit
Die KVWL engagiert sich seit vielen Jahren beim Thema Patientensicherheit. So können die Praxisteams in Westfalen-Lippe beispielsweise auf umfassende Handlungsempfehlungen zur Vermeidung von Eingriffsverwechselungen sowie zur Patientenidentifikation zurückgreifen.
Darüber hinaus zählt die KVWL zu den Akteuren in verschiedenen Arbeitsgruppen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) und ist Partner des bundesweit einmaligen Bündnisses CIRS NRW. CIRS steht für „Critical Incident Reporting System“. Das Programm widmet sich der Weiterentwicklung von Fehlerberichts- und Lernsystemen. Auf unserer Website stellen wir mehr Informationen zum Thema Patientensicherheit bereit.
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Pressemitteilung: Wegen Patientensicherheit: „Ärztliche Versorgung gehört nicht in Apotheke oder Drogerie!“
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Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL, und Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVWL
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Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL
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Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVWL