Barrierefreie Arztpraxis
Häufig erleichtern schon kleine Veränderungen den Weg in die Praxis
Das Prinzip der Barrierefreiheit berücksichtigt alle durch den Menschen gestalteten Umgebungsbedingungen. So sollen alle Menschen, unabhängig von eventuellen körperlichen oder geistigen Einschränkungen, am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Zu berücksichtigen sind Barrieren in den Einstellungen und Haltungen, in Form fehlender Handlungs- und Kommunikationskompetenz und natürlich auch in Form baulicher und anderer physischer Zugangshindernisse.
Auf die Arzt- oder Psychotherapeutenpraxis bezogen geht es auch um die Orientierung innerhalb der Praxisräume (z. B. große Türbeschriftungen), um die Verständlichkeit von Informationen und Formularen (Stichwort Leichte Sprache) oder um eine möglichst barrierefreie Website.
Ist Ihre Praxis barrierefrei?
- Gibt es am Gebäude Behindertenparkplätze?
- Ist der Weg vom Parkplatz zur Praxis ausgeschildert?
- Wie ist der Weg beschaffen und wird er beleuchtet?
- Gibt es lose Pflastersteine oder Sandflächen, die schwer zu überwinden sind?
- Gibt es Furchen oder Senken, in denen sich bei Regen Pfützen bilden?
- Sind Hausnummer, Praxisschild und Klingel gut sichtbar?
- Kann die Eingangstür leicht geöffnet werden?
- Kann ein Rollstuhlfahrer hindurchfahren, ohne sich am Türrahmen zu stoßen?
- Wie ist der Zustand des Fußbodens, gibt es Stolperfallen?
- Sind Eingang und Flur hell genug beleuchtet?
- Wo finden Patienten die ersten Sitzmöglichkeiten?
- Bietet die Garderobe genug Platz und ist sie auch für Rollstuhlfahrer erreichbar?
- Gibt es Stock- und Krückenhalter?
- Gibt es auf Fluren und Gängen Handläufe und Sitzelegenheiten?
- Sind die einzelnen Räume gut und übersichtlich beschriftet? (z.B. Behandlung, Sprechzimmer, Röntgen etc.)
- Sind ausliegende Informationen und Formulare auch in Leichter Sprache oder in Fremdsprachen verfügbar?
- Gibt es Alternativen für Menschen mit eingeschränktem Hör- oder sehvermögen?
- Viele Menschen möchten gleich nach der Ankunft den Sanitärbereich aufsuchen. Ist die Toilette gut gekennzeichnet und schnell zu finden?
- Wie viel Bewegungsfreiheit bietet der Sanitärbereich selbst?
- Können auch Rollstuhlfahrer und kleinwüchsige Menschen das Waschbecken und die Papiertücher zum Hände-Abtrocknen erreichen?
- Lässt sich die Tür im Notfall von außen öffnen?
- Wie hell ist der Raum beleuchtet?
Eine barrierefreie Webseite sollte unter anderem . . .
- einen ausreichenden Kontrast bieten.
- eine gut lesbare Schrift verwenden.
- übersichtliche Bedienflächen und Einstellmöglichkeiten haben.
- Bilder zeigen, die mit Alternativtexten hinterlegt sind, damit Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen sich den Inhalt vorlesen lassen können.
- in Leichter Sprache getextet sein und auf unnötige Fachausdrücke verzichten.
- für die Nutzung auf mobilen Endgeräten optimiert sein.
Barrierefreiheit in der KVWL-Arztsuche
Ihre Praxis ist barrierefrei, aber die Informationen fehlen in der KVWL-Arztsuche? Dann nutzen Sie den Fragebogen und bringen Sie Ihre Praxisinformationen auf den aktuellen Stand. Je detaillierter und aktueller diese Daten sind, umso besser kann Ihre Praxis über die Arztsuche gefunden werden. Alle Angaben rund um die Barrierefreiheit sind nicht mit den Namen der Niedergelassenen verknüpft, sondern über die Betriebsstättennummer (BSNR) direkt mit dem entsprechenden Standort.
Kleine Schritte, große Wirkung
Wie kann Barrierefreiheit in der Praxis funktionieren? Welche Probleme werden häufig übersehen? Und welche überraschend einfachen Lösungen kann es geben? Genau das erläutert Claudia Middendorf, Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in NRW, in diesem Video-Interview.
Barrieren abbauen: Broschüre der KBV zum Thema
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) stellt die Broschüre „Barrieren abbauen – Ideen und Vorschläge für Ihre Praxis“ kostenlos zur Verfügung. Die Broschüre kann per E-Mail an versand@kbv.de direkt bestellt oder als PDF-Datei heruntergeladen werden.